Polizisten mit Sturmhauben begleiten einen der Verdächtigen zu einem Einsatzwagen. Dort wurden seine Personalien kontrolliert. 
Foto: dpa/Christoph Soeder

BerlinEin Großaufgebot der Berliner Polizei hat am frühen Mittwochmorgen Wohnungen und Büros von mutmaßlichen Islamisten durchsucht. Bei der groß angelegten Razzia waren etwa 450 Beamte in mehreren Bezirken im Einsatz. Wie die Staatsanwaltschaft mitteilte, geht es unter anderem um den Vorwurf der Terrorfinanzierung. Es bestehe zudem der Verdacht,  mit Betrugstaten illegal Geld erschlichen zu haben. 

Die Zugriff der Einsatzkräfte erfolgte zeitgleich am frühen Morgen. Polizei und Staatsanwaltschaft vollstreckten ab 6 Uhr an 20 Adressen in Reinickendorf, Charlottenburg-Wilmersdorf, Friedrichshain-Kreuzberg und Tempelhof-Schöneberg richterlich angeordnete Durchsuchungsbeschlüsse. Moscheen seien nicht betroffen gewesen, erklärte ein Sprecher der Polizei. Ziel war es, Beweismittel wie Computer, Datenträger und Handys zu sichern. Die Verdächtigen sollten überrascht werden, was auch größtenteils gelang, hieß es. Die parallel laufenden Einsätze sollten zudem verhindern, das sich die mutmaßlichen Islamisten gegenseitig warnen. Im Fokus der Ermittlungen stehen nach Angaben der Staatsanwaltschaft zwölf Verdächtige. 

In der Reichenberger Straße in Kreuzberg durchsuchten Ermittler ein Auto mit Hamburger Kennzeichen. In der Behmstraße in Wedding wurden ebenfalls mehrere Objekte durchsucht. Die Ermittler stellten bei den Durchsuchungen insgesamt 10.300 Euro in bar sicher. Außerdem beschlagnahmten sie gefälschte Aufenthaltsdokumente und gefälschte Personaldokumente, diverse Waffen sowie eine Cannabis-Indoorplantage, Betäubungsmittel und Drogenzubehör. Ein Beschuldigter leistete während des Einsatzes Widerstand. Bei einem weiteren Beschuldigten wurde festgestellt, dass er sich ohne gültigen Aufenthaltstitel in Deutschland aufhält.

Martin Steltner, Sprecher der Staatsanwaltschaft, sprach von  einem „Strauß von Vorwürfen“, unter anderem auch Bedrohung und Betrug. Polizisten war zuletzt aufgefallen, dass sich einzelne Islamisten Corona-Soforthilfen erschlichen haben sollen, so der Sprecher. Die Staatsanwaltschaft hatte damals mitgeteilt, dass die Ermittlungen daraufhin intensiviert wurden. Dabei wurde auch geprüft, ob die Gelder möglicherweise für die Finanzierung von terroristischen Aktionen verwendet werden sollten. Welche das im Detail sind, teilte die Staatsanwaltschaft nicht mit.

In Berlin wächst die Zahl der Islamisten. Der Berliner Verfassungsschutz hat in seinem Bericht für das vergangene Jahr 2170 Menschen in Berlin als Islamisten eingestuft. Das sind 180 mehr als 2018. Ein Schlag gegen die Islamisten-Szene in Berlin sei ein gutes Zeichen, wertete die Gewerkschaft der Polizei (GdP). Deutschland stehe weiter im Fadenkreuz des islamistischen Terrors. Es sei kein Geheimnis, dass „aus unserem Geldwäscheparadies“ Gelder aus der Organisierten Kriminalität in den Terrorismus fließen würden. „Umso wichtiger ist es, denen, die schwerste Straftaten vorhaben und unterstützen, möglichst früh auf die Füße zu treten“, erklärte GdP-Landesvize Thomas Spaniel. (mit dpa)