Die Berliner Polizei hat das Wohnprojekt Liebig34 in Berlin-Friedrichshain geräumt.
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BerlinUnd wieder einmal drängelt sich Frauenfeindlichkeit in die politische Debatte. Dabei wehrten sich die Bewohnerinnen der „Liebig34“ genau dagegen. Auch durch die Form ihres Zusammenlebens, das keine cis-Männer erlaubte – aus Selbstschutz. In dem Haus, das die 50 Frauen und non-binären Personen als Versteck vor dem Patriarchat, den Zwängen des Kapitalismus und der Diskriminierung jeglicher – besonders aber geschlechtlicher – Couleur erklärt hatten. Am Freitag wurde das Wohnprojekt geräumt. Von Polizisten, die wenige Stunden, nachdem die letzte Besetzerin abgeführt worden war, Journalisten auch dieser Zeitung zu einer Führung durch Treppenhaus, Hinterhof und Wohnungen einluden.

Rechtlich war das nach der Erlaubnis des Eigentümers wohl zulässig. Ethisch ist das eine andere Frage. Die Barrieren zu zeigen, mag von öffentlichem Interesse sein. Schon um das enorme Aufgebot von 1500 Beamten zu legitimieren. Auch der allgemeine, bauliche Zustand des Hauses mag interessieren. Gefilmt wurden aber auch Koch-, Wohn- und Schlafbereiche. Die Bild-Zeitung zeigte auf Twitter sogar die Toiletten. Das ist kein öffentliches Interesse. Das ist purer Voyeurismus.

„Es ist kein Haus, es ist ein dunkles Labyrinth aus Schutt und Müll“, kommentierte die Bild das Filmchen. Aber wen überrascht es wirklich, dass die Bewohnerinnen sich der Zwangsräumung zu widersetzen versuchten - eben durch Schutt und Müll? Während des Einsatzes posteten Aktivistinnen auf Twitter, dass die „cops“ sich in ihrem vorbereiteten Labyrinth verlieren würden. Da hatte nicht etwa eine ihren Putzdienst verschlafen. Das war Taktik.

Stunden zuvor hätte das Recht auf Privatsphäre derartige Bilder noch verboten. Nun dominiert ein Shitstorm unter dem Hashtag „Drecksloch“ die Online-Diskussion. Viele fühlen sich berufen, fehlende Reinlichkeit der Aktivistinnen zu beklagen, nach dem Motto: Gerade Frauen müssten doch wissen, wie sie ihre Küche sauber halten. Peinlich.