Für Zalandos Co-Chef ist die Richtung klar: Wachstum sei die richtige Strategie zur langfristigen Wertmaximierung, sagte Rubin Ritter am Donnerstag bei der Vorstellung der Ergebnisse des vergangenen Jahres. Der Umsatz bleibt also die entscheidende Größe bei Berlins Vorzeige-Unternehmen der Digitalwirtschaft.

Und tatsächlich legte dieser 2017 abermals kräftig zu, stieg um 23,4 Prozent auf 4,5 Milliarden Euro, wobei auch noch was in der Kasse blieb: 101 Millionen Euro weist Zalando als Nettogewinn aus. Das sind allerdings etwa 20 Millionen Euro weniger als noch im Jahr 2016. Immerhin gelang Zalando aber erstmals, in allen Regionen profitabel zu sein. Bislang schaffte Zalando das nur in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Weitere Stellen für Berlin

Insgesamt wuchs das 2008 gegründete Berliner Online-Modekaufhaus im vergangenen Jahr schneller als der gesamte europäische Online-Modemarkt. Dafür gingen die Preise nicht nach oben, sondern es wurde wirklich mehr gekauft. So wuchs die Zahl der Zalando-Kunden binnen eines Jahres um 3,2 Millionen auf 23,1 Millionen und jeder von ihnen bestellte im Schnitt nicht nur 3,5 Mal, wie im Jahr 2016, sondern 3,9 Mal. Unter dem Strich bearbeitete Zalando somit im vergangenen Jahr rund 20 Millionen Bestellungen mehr als im Jahr zuvor.

So soll es weitergehen. In diesem Jahr werde der Umsatz ebenfalls um rund eine Milliarde Euro zulegen, sagte Rubin Ritter. Auch dafür wurden im vergangenen Jahr knapp 245 Millionen Euro vor allem in die Logistik sowie die eigene Software-Entwicklung investiert. Zudem will Zalando 2018 vor allem in Berlin neue Jobs schaffen. Nachdem die Zahl der Mitarbeiter bereits im vergangenen Jahr um mehr als 3000 auf 15.000 erhöht wurde, sollen in diesem Jahr weitere 2000 Stellen geschaffen werden.

Ambitionierte Pläne für die Zukunft

Ausbauen will Zalando zugleich das Sortiment. Marken wie Swarovski oder Massimo Dutti sollen neu in das Angebot aufgenommen werden. Für Ende März ist der Start der sogenannten Beauty-Kategorie geplant, mit der Zalando mit rund 100 Marken ins Kosmetikgeschäft einsteigt. Darüber hinaus ist die Expansion auf neue Märkte vorgesehen. Derzeit ist Zalando in 15 Ländern vertreten, zwei weitere sollen hinzukommen.

Konkrete Angaben gibt es dazu noch nicht. „Derzeit schauen wir uns verschiedene Optionen genauer an“, sagte Ritter, illustrierte dafür aber seine Wachstumsstrategie: „Momentan haben wir am europäischen Modemarkt einen Anteil von circa 1,3 Prozent, den wir langfristig auf fünf Prozent ausbauen wollen.“ Das entspräche einem Jahresumsatz von gut 17 Milliarden Euro.

An der Börse beeindruckte das Umsatzwachstum am Donnerstag jedoch kaum. Dafür enttäuschte der Gewinnrückgang bei Zalando die Anleger. Viele verkauften, womit der Preis der Zalando-Aktie fiel – zeitweise mehr als sechs Prozent. Der aktuelle Börsenwert des Modekaufhauses liegt aber dennoch bei über elf Milliarden Euro. Damit ist Zalando wertvoller als das Energieunternehmen RWE und der Pharmariese Merck.