Mit vielen Millionen Euro will Berlin im Kampf gegen den Terror die Ausstattung seiner Polizei verbessern. Doch die Aufrüstung der Beamten gerät manchmal schon wegen Kleinigkeiten ins Stocken.

Im Rahmen der Terrorabwehr sollen mehrere Hundert Maschinenpistolen der Bereitschaftspolizei erweitert werden – mit Rotpunktvisier (AIM-Point für 900 Euro) sowie Zielbeleuchtung, Handgriff und Handschutz. Das alles ist bereits geliefert worden, kann aber bisher nicht verwendet werden, denn die Behörde hat vergessen, 800 Hartschalenkoffer zu bestellen. In diesen müssen die Waffen mit den hochempfindlichen Laserzielgeräten und den anderen Erweiterungen eigentlich transportiert werden. Es wurde versäumt, diesen Auftrag öffentlich auszuschreiben.

Beamte der Bereitschaftspolizei weigerten sich bislang, die neuen Applikationen an den Waffen auszugeben. Denn die MP5 werden in den Mannschaftstransportern bislang in alten Sporttaschen transportiert, die ausgestopft sind mit Schaumgummi. „Es braucht nur ein Kollege dagegen zustoßen, und schon ist das teure Rotpunktvisier hin“, sagte ein hochrangiger Beamter der Berliner Zeitung.

„Ausschreibung für Hartschalenkoffer befindet sich in der Vorbereitung“ 

Die Polizeiführer wurden jetzt trotzdem dazu gedrängt, die aufgerüsteten Waffen in den ungeeigneten Taschen mitzunehmen.

„Wir finden es richtig, dass die Kollegen der Bereitschaftspolizei sich geweigert haben, die Applikationen auszugeben“, sagte Benjamin Jendro, Sprecher der Gewerkschaft der Polizei. „Es kann nicht sein, dass wir seit Jahren über verbesserte Terrorabwehr reden und vergessen, für hochsensible Bestandteile die Koffer auszuschreiben.“

Ein Polizeisprecher teilte auf Anfrage mit: „Die Ausschreibung der Hartschalenkoffer zum Transport der optimierten Maschinenpistole MP 5 befindet sich in der Vorbereitung.“ Die modifizierte Schusswaffe werde sukzessive mit dem Zubehör ausgestattet und an die Dienstkräfte ausgegeben.

Schadstoffarme Munition für Sturmgewehre ebenfalls nachbestellt

Die Aufrüstung der Maschinenpistolen ist Teil eines mehr als 40 Millionen Euro teuren Präventions- und Sicherheitspakets, mit dem die Ausstattung von Polizei und Feuerwehr verbessert werden soll. Allein für die Applikationen an den Maschinenpistolen wurden rund fünf Millionen Euro veranschlagt.

Auch mit anderen Anschaffungen hatte die Berliner Polizei bisher kein Glück. Ärger gab es schon, weil die neuen Dienstpistolen ungenau schießen sollen. Anstatt fünf sind mehr als 60 Schuss nötig, bis die Waffen eingeschossen sind und genau treffen.

Auch die 415 neuen Sturmgewehre, die für rund 930.000 Euro gekauft wurden, verstauben seit März größtenteils in den Waffenschränken, weil mit ihnen nicht geübt werden kann. Denn die Munition setzt giftige Dämpfe frei. In den geschlossenen Berliner Schießständen kann damit deshalb nicht geschossen werden, weil schon nach einem Schuss die Bleigrenzwerte in den Atemluft überschritten wären. Lediglich auf dem Truppenübungsplatz bei Lehnin kann trainiert werden, was nur dem SEK vorbehalten bleibt. Jetzt will die Behörde schadstoffarme Munition für das Training mit den neuen Sturmgewehren anschaffen.