Zur Bekämpfung der hohen Gewaltkriminalität an Berliner Bahnhöfen setzt die Bundespolizei auf verstärkte Kontrollen. Am Wochenende registrierten Beamte dabei 91 Straftaten. Schwerpunkt seien Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz (67 Fälle) gewesen, sagte eine Sprecherin der Bundespolizei am Sonntag.

Zudem sei 24 Mal gegen das vollständige Verbot von Waffen und anderen gefährlichen Gegenständen verstoßen worden - das Verbot galt am Wochenende in dieser Form zum ersten Mal an bestimmten Bahnhöfen in Berlin.

Etwa 180 Bundespolizisten zusätzlich im Einsatz

Eine sogenannte Ordnungsverfügung bot der Polizei mehr Möglichkeiten als sonst. Sie konnte jeden Menschen kontrollieren und durchsuchen, auch ohne dass es konkrete Verdachtsmomente gab. Insgesamt seien 870 Menschen bei der Aktion in den Nächten auf Samstag und Sonntag kontrolliert worden, sagte die Sprecherin. Etwa 180 Bundespolizisten seien zusätzlich im Einsatz gewesen.

Die Polizei hatte die Aktion mit einer „Zunahme der Gewaltintensität“ auf Bahnanlagen begründet. Ähnlich war die Hamburger Polizei im Mai im dortigen Hauptbahnhof vorgegangen. Auch andere Städte denken über entsprechende Maßnahmen für bestimmte Gegenden nach.

Der Präsident der Bundespolizeidirektion Berlin, Thomas Striethörster, sah den Ansatz bestätigt: „Die Zahl der festgestellten Verstöße sowohl gegen die Allgemeinverfügung als auch bei den Straftaten belegt, wie wichtig dieser Einsatz ist“, hieß es in einer Mitteilung am Sonntag. Dass Handlungsbedarf bestehe, zeige auch die Messerattacke auf zwei mexikanische Touristen in einer Berliner S-Bahn am vergangenen Wochenende, so Striethörster.

Die beiden 19- und 21-jährigen Männer waren schwer verletzt worden und mussten operiert werden. Der Täter flüchtete unerkannt und konnte nach Angaben der Berliner Polizei bislang nicht gefasst werden.

Auffallend wenige Körperverletzungen

Um Reisende zu schützen und Straftaten zu verhindern, hält die Bundespolizei gezielte Aktionen für hilfreich. Die meisten Menschen hätten sich an das Verbot gehalten und es seien auffallend wenige Körperverletzungen (drei Fälle) registriert worden, erklärte die Behördensprecherin. Bislang gebe es vergleichbare Maßnahmen nur anlassbezogen - beispielsweise bei größeren Events und Festen wie dem Baumblütenfest in Werder/Havel.

In Berlin galt das Verbot in den Nächten auf Samstag und Sonntag jeweils von 20 Uhr bis 6 Uhr an sieben S-Bahnhöfen zwischen Alexanderplatz und Lichtenberg und auf der entsprechenden Strecke. Die Aktion zielte besonders auf junge Männer, die Messer, Schlagringe oder Reizgas dabei haben.

Neun Haftbefehle

Bei den Kontrollen seien nun 17 Gegenstände wie Messer oder Schraubenzieher sicher gestellt worden, hieß es. Von den 24 Verstößen, die die Beamten registrierten, fielen sieben Fälle zugleich unter das Waffengesetz.

Zudem stellten die Polizisten in den beiden Nächten neun Menschen, nach denen mit einem Haftbefehl gesucht wurde. Sieben der Kontrollierten hätten Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte geleistet. Bei den Kontrollen seien die Beamten auch auf fünf Kinder und Jugendliche gestoßen, die vermisst gemeldet seien. Diese wurden in Obhut genommen - ihre Eltern beziehungsweise Erziehungsberechtigten wurden informiert, wie die Polizeisprecherin sagte. Wenn von diesen niemand erreichbar sei, werde der Kindernotdienst eingeschaltet. (dpa)