Berlin - Bei einem Einsatz in einem linksautonomen Zentrum in Mitte mussten Rettungskräfte der Feuerwehr von der Polizei beschützt werden. Am Dienstagabend um 22.54 Uhr hatte ein Anrufer die Feuerwehr zur Köpenicker Straße 137 alarmiert. Auf dem Gelände des Wohnprojekts Køpi lag im Bereich einer Wagenburg eine leblose Frau. Sechs Minuten später waren die Rettungskräfte da.

Eine Bewohnerin hatte zuvor noch vergeblich versucht, die Frau wiederzubeleben. Weil sich um den Notarzt und die Sanitäter des Johanniter-Dienstes immer mehr Bewohner der Køpi versammelten, entstand nach Ansicht der Rettungskräfte eine „bedrohliche Lage“. Um 23.06 Uhr alarmierte der Arzt deshalb die Polizei „mit Eile“ hinzu.

Weil die Einsatzadresse bei der Polizei berüchtigt ist, rückte sie mit einem Zug behelmter Bereitschaftspolizisten und weiteren Einsatzfahrzeugen an. „Die Polizei stellte aber fest, dass die Lage ruhig war“, sagte ein Behördensprecher am Mittwoch. Der Einsatzleiter habe sich mit dem Sprecher der Bewohner darauf geeinigt, dass drei Beamte auf das Gelände gehen. Die Reanimationsversuche eines Notarztes blieben erfolglos. Um 23.32 Uhr stellte der Arzt den Tod der Frau fest.

Identität geklärt

Bei einer Obduktion soll in den nächsten Tagen die Todesursache geklärt werden. Die Polizei geht davon aus, dass die Frau nicht durch Fremdverschulden starb. Die Frau ist inzwischen identifiziert, es handelt sich um eine 27-Jährige, die nicht aus Berlin ist. Genauere Angaben wollte die Polizei am Mittwochabend nicht machen, weil die Angehörigen noch nicht informiert seien. Der Einsatz sei insgesamt ruhig verlaufen, so der Polizeisprecher.

Die Køpi ist ein Haus, das nach der Wende besetzt wurde. Ein Jahr danach bekamen die Bewohner Mietverträge. Seitdem gibt es im Zusammenhang mit diesem europaweit bekannten Wohnprojekt, das mehrfach von der Räumung bedroht war, immer wieder Demonstrationen und Einsätze, zu denen die Polizei stets in Mannschaftsstärke anrückt.

„Es kann nicht sein, dass Rettungskräfte und Polizisten behindert werden, wenn sie ihre Arbeit machen wollen“, sagt Benjamin Jendro von der Gewerkschaft der Polizei. SPD-Innenexperte Tom Schreiber ist ebenfalls empört: „Es geht einfach nicht, dass die Polizei mit Anwohnern verhandeln muss, um Leben zu retten.“