Berlin - Die Wahl zur Stadtteilvertretung Moabit wurde am Dienstagabend kurz nach Beginn abgebrochen. Es war zu chaotischen Szenen gekommen, weil der rechtsradikale „Volkslehrer“ Nikolai N. als Kandidat auftrat. Über 100 Personen, darunter viele Wahlberechtigte, ließ die Polizei aus Sicherheitsgründen nicht in die Moabiter Heilandskirche hinein.

Das sorgte für wütende Proteste, zumal der Veranstalter Kosp GmbH nicht am Einlass überprüft hatte, wer tatsächlich in Moabit lebt und damit wahlberechtigt ist. In der vollen Kirche forderten Anwesende eine Verlegung der Veranstaltung in einen größeren Saal.

Neuer Termin noch vor den Sommerferien

Veranstaltungsleiter Karsten Ketzner ließ schließlich darüber abstimmen, ob überhaupt gewählt werden soll. Dann sagte er die Veranstaltung ab, die nun noch vor den Sommerferien nachgeholt werden soll. Nikolai N. wurde von Polizisten durch einen Nebeneingang herausgebracht. Der 38-Jährige, der nach eigenen Angaben seit zehn Jahren in Moabit lebt, nennt sich selbst „Volkslehrer“ und betreibt auf YouTube einen Kanal, auf dem er rechtsradikale Inhalte verbreitet und Holocaust-Leugnern ein Forum gibt.

Die Bildungsverwaltung hatte dem Grundschullehrer deshalb gekündigt. Der Stadtteilvertretung im Sanierungsgebiet Moabit gehören bis zu 25 Personen an. Das Gremium hat etwa bei Bauvorhaben Kontroll- und Initiativrecht, darf aber nichts entscheiden. Sprecher der Vertretung haben dauerhaftes Rederecht im Stadtplanungsausschuss.