Berlin - Sein Bündnis „Koach!“ (Stärke) erhielt zudem 14 der 21 Sitze in der Repräsentantenversammlung. Der Rückkehr Joffes an die Spitze der Gemeinde steht damit nichts mehr im Wege. Der fünfköpfige Vorstand wird von der neuen Repräsentantenversammlung, einer Art Gemeindeparlament, voraussichtlich im Februar bestimmt.

1276 Gemeindemitglieder stimmten am Sonntag für den 39-jährigen. Erst mit einigem Abstand folgten die übrigen erfolgreichen Kandidaten. Anfang Dezember hatte die Jüdische Gemeinde schon einmal gewählt. Allerdings war es zu Unregelmäßigkeiten gekommen. Die Wahlen waren deshalb annulliert worden.

Anfang Dezember hatten sich noch verschiedene Gruppierungen durchsetzen können. Es blieb unklar, wer in den Gemeindevorstand aufgerückt wäre. Das ist nun anders. Aufgrund der klaren Mehrheitsverhältnisse ist damit zu rechnen, dass Joffe bei der konstituierenden Sitzung zum Vorsitzenden gewählt wird. Joffe war schon einmal von 2005 bis 2008 Gemeindevorsitzender. Er ist vor allem bei russischstämmigen Mitgliedern beliebt. Etwa 80 Prozent der Gemeindemitglieder sind aus Ländern der ehemaligen Sowjetunion nach Berlin gekommen.

Auch die Neuwahlen lockten, wie schon die Abstimmung im Dezember, nur verhältnismäßig wenige Gemeindemitglieder in die Wahllokale. Die Wahlbeteiligung lag bei nur 27 Prozent. Wie es nun inhaltlich weitergehen wird bei der mit elf Millionen Euro überschuldeten Gemeinde, ist derzeit nicht absehbar. Gideon Joffe war bei den Wahlen gegen eine „Philosophie des Abbaus“ angetreten, wie er in der Wahlzeitung in eigener Sache warb. Die Gemeinde soll seinen Worten zufolge „weiter aus- und aufgebaut“ werden. Im Senat, der die Gemeinde aufgrund eines Staatsvertrages aus dem Kulturhaushalt mit 9,3 Millionen Euro im Jahr unterstützt, erwarten die Verantwortlichen allerdings energische Sparbemühungen, in absehbarer Zeit einen ausgeglichenen Haushalt und eine Rückzahlung von 4,5 Millionen Euro.