Berlin - Ein leichter Geruch von erhitztem Pflanzenfett liegt über dem Alexanderplatz, das Vegane Sommerfest hat am Freitag begonnen. Bratwurst, Burger und Döner werden angeboten, alles völlig fleischlos natürlich. Pappkälber und Pappschweine sind auf Plakaten in Käfige gepfercht, um die Massentierhaltung zu brandmarken. Der World Wildlife Fund hat einen Informationsstand aufgebaut – und die Beschützer der Stadttaube ebenfalls.

Ziemlich am Rande, zwischen Weltzeituhr und Elektronik-Kaufhaus, stehen die Piraten und machen Wahlkampf. Auch wenn die Umfragen ihnen derzeit wenig Mut machen, haben sie die Hoffnung auf einen erneuten Einzug ins Abgeordnetenhaus nicht aufgegeben.

Es läuft schleppend an auf dem Alex. Die Passanten haben viele Möglichkeiten, den Stand der Piraten einfach links liegenzulassen. Überall locken die veganen Leckereien. „Die Menschen bringen uns selten mit Tierschutz und gesunder Ernährung zusammen“, sagt Philipp Magalski, der an Platz drei der Landesliste für die Wahl kandidiert, „dabei sind wir jedes Jahr auf diesem Fest.“

Viel Papier bei der Online-Partei

Das Bild von den Piraten als der Online-Partei sei einfach unvollständig, findet der 42-Jährige. Was offenbar niemand wahrgenommen habe: In der letzten Legislaturperiode hätten die Piraten im Abgeordnetenhaus die meisten Anträge zu Ernährung und Tierschutz eingebracht.

Die Stimmung, die die Piraten vor fünf Jahren mit 8,9 Prozent der Stimmen ins Abgeordnetenhaus trug, ist jedoch verflogen. „Der Hype ist vorbei“, gibt Magalski zu. Andreas Grüe, der das Gespräch sucht, weil er 2011 für die Piraten gestimmt hat, weiß einen Grund. „Ich habe euch gewählt, weil ihr eine echte Alternative zu den Etablierten gewesen seid“, sagt er. „Aber dann habt ihr euch gleich mit unsäglichem Gezänk zerlegt. Das war schwach.“ Da könne er kaum noch Unterschiede zu den anderen erkennen. Dann hat er auch noch an der Farbe der Wahlposter etwas zu bemängeln: dieses merkwürdige Orange. „Die Farbe ist die gleiche wie bei einer Baumarktkette“, findet er.

Isabel Martinez hat einen EU-Pass, aber keinen deutschen. Sie darf auf Landesebene nicht mitwählen, was sie nach 35 Jahren in Deutschland „nicht nur grotesk, sondern schon lange diskriminierend“ findet. „So oft ist von europäischer Freizügigkeit die Rede, aber dazu gehört doch auch das Wahlrecht“, meint sie. Bei den Piraten trifft sie damit auf offene Ohren, sie fordern das volle Wahlrecht für EU-Ausländer. Isabel Martinez nimmt einen Stoß von Flyern mit.

Julia Grasme will das zunächst auch. Doch dann fragt sie: „Das habt ihr doch alles auch im Internet?“ Sie findet es plötzlich ziemlich inkonsequent, dass es am Stand der Piraten nicht weniger Papier gibt als bei den anderen. Eigentlich, so meint sie, müssten die Piraten doch konsequenter umweltgerecht Wahlkampf machen. Doch ansonsten zeigt sie sich beeindruckt vom Programm der Piraten. Sie könne vielem zustimmen, sagt die junge Frau. Das hört der Kandidat natürlich gern.