Der Wahlkampf um das Tempelhofer Feld ist in vollem Gange. Bis zum Volksentscheid am 25. Mai werden die Berlinerinnen und Berliner mit allen Mitteln umgarnt, die Parteien so zu bieten haben: Die Werbeprofis hängen Plakate auf, verteilen Infomaterial, schalten Anzeigen, stellen Filme ins Internet, laden zu Diskussionsrunden ein oder organisieren Presse-Events. Alle wollen die Meinungsbildung vorantreiben, wollen Wähler mobilisieren und die eigene Position durchsetzen. Denn bei Volksentscheiden geht es letztlich nicht anders zu als bei normalen Wahlen, auch wenn dabei nicht über die Zusammensetzung eines Parlaments, sondern über ein konkretes Gesetz abgestimmt wird. Über ein Volksgesetz.

Dieser Wahlkampf ist für die Bürger aber schwerer zu überblicken als bei früheren Volksentscheiden. Das liegt auch daran, dass die Initiative „100 Prozent Tempelhofer Feld“ lange auf sich alleine gestellt war. Keine der im Abgeordnetenhaus vertretenen Parteien sammelte für die Initiative Unterschriften. Die Aktivisten mussten den Volksentscheid im vergangenen Jahr alleine durchsetzen. Nicht einmal die Opposition engagierte sich.

Dabei ist das durchaus üblich. Beim ersten Volksentscheid über Tempelhof 2008 beispielsweise war es die CDU, die von Anfang an für eine Offenhaltung des Flughafens kämpfte, gegen die Schließungspläne des rot-roten Senats. Und bei den letzten Abstimmungen über die Wasserverträge oder ein Öko-Stadtwerk hatte sich die Opposition aus Grünen, Linken und Piraten frühzeitig hinter die Initiativen gestellt.

Als die Gegner jeglicher Bebauung des Tempelhofer Feldes im Herbst trotzdem genügend Unterschriften vorlegten, waren alle Parteien überrascht. Doch selbst danach blieb eine Lagerbildung im Abgeordnetenhaus zunächst aus. Koalition und Opposition suchten einen parteiübergreifenden Kompromiss. Parallel zum Vorschlag der Bebauungsgegner wollten sie ein alternatives Gesetz zur Abstimmung stellen, doch am Ende scheiterte der Versuch. Inzwischen haben alle Parteien sich mehr oder weniger deutlich positioniert. Während die Parlamentsmehrheit von SPD und CDU ihr eigenes Gesetz durchsetzen wollen, unterstützen Grüne, Linke und Piraten den Text der Bürgerinitiative.