Nach Vorwürfen der Wahlmanipulation in der Jüdischen Gemeinde zu Berlin ist eine offener Streit mit dem Zentralrat der Juden in Deutschland entbrannt. Der Berliner Vorsitzende Gideon Joffe warf Zentralratspräsident Josef Schuster und der gemeindeinternen Opposition eine Verleumdungskampagne gegen ihn vor. Weil er immer wieder Missstände angesprochen habe, werde er jetzt attackiert, schreibt Joffe in der neuen Ausgabe des Gemeindeblatts „Jüdisches Berlin“.

Der Zentralrat forderte unterdessen den Gemeindevorstand auf, die Ämter im jüdischen Dachverband bis zur Klärung der Vorwürfe ruhen zu lassen. Joffe habe bislang entgegen seiner Ankündigung nichts dafür getan, die gegen ihn erhobenen Vorwürfe im Zusammenhang mit den Gemeindewahlen von 2015 zu entkräften und das Vertrauen in den Vorstand wiederherzustellen, erklärte der Zentralrat. Ähnlich äußerte sich Sergey Lagodinsky, Wortführer der gemeindeinternen Opposition.

Vor der Sommerpause hatte der Zentralrat Joffe aufgefordert, sich zu den Vorwürfen zu äußern. Der Verdacht, die Wahlen zur Repräsentantenversammlung im Dezember 2015 seien manipuliert worden, beschädige das Ansehen der jüdischen Gemeinschaft. Der frühere Kulturdezernent Boris Braun hatte in einem Fernsehinterview über einen angeblichen Betrug berichtet. Briefwahlscheine seien geöffnet und Wahlkreuze zugunsten von Joffes Liste nachgetragen worden.

Anzeige gegen den Vorsitzenden Gideon Joffe erstattet

An die Adresse der Opposition schrieb Joffe im Gemeindeblatt jetzt: „Wieso haben sie nicht schon längst Strafanzeige gestellt, statt der Jüdischen Gemeinde durch ihre Verleumdungskampagne zu schaden?“ Er forderte seine Gegner auf, sich im Gemeindeparlament oder im Direktorium des Zentralrates zu äußern. Nach Informationen des RBB haben inzwischen mehrere Personen Anzeige gegen den Vorsitzenden Joffe und andere mutmaßliche Beteiligte wegen Urkundenfälschung erstattet. Dies betreffe mögliche Manipulationen der Gemeindewahlen 2011 und 2015. Die Staatsanwaltschaft Berlin gehe dem nach.

„Herr Dr. Schuster hingegen fordert mich auf, die Hirngespinste eines Herrn Braun aus der Welt zu schaffen oder mein Amt im Zentralrat ruhen zu lassen. Ich kann da nur sagen: Schuster, bleib bei Deinen Leisten! In einer Demokratie muss nicht die Unschuld bewiesen werden, sondern die Schuld“, erklärte Joffe.

Die Gemeinde mit rund 10.000 Mitgliedern ist gespalten. In den vergangenen Jahren wurden immer wieder Vorwürfe gegen den Vorstand um Joffe laut. Joffe hatte jeweils 2011 und im Dezember 2015 die Gemeindewahlen mit dem Wahlbündnis „Koach“ (Stärke) gewonnen. (dpa)