Draußen ist immer Wetter. Die Outdoor-Welle hält.“ Das ist einer der markigen Werbesprüche für ein Wahlplakat namens „EasyPlak“, das die Berliner Firma Pappwelle Vertrieb GmbH & Co. KG ihren Kunden anbietet. Der Satz muss hier zitiert werden, formuliert er doch einen Anspruch, dem jene Plakate in den vergangenen Wochen offenbar nicht immer komplett gerecht wurden. Dieses Schauspiel findet, in Berlin etwa in Tempelhof-Schöneberg, vor aller Augen statt, schließlich ist Wahlkampf, und der wird bekanntlich mit Zehntausenden von Plakaten geführt.

Wellpappe von der Pappwelle

Dass insbesondere die Grünen auf EasyPlak von der Pappwelle schwören, leuchtet ein. Denn nicht nur die Politik der Grünen will aus Überzeugung nachhaltig sein, ihre Plakate sollen dem nicht nachstehen. Daher sind sie auch nicht aus Plastik, sondern aus spezieller, voll recycelbarer Wellpappe, die „auch nach wochenlangem Dauerregen stabil“ bleibe, wie der Anbieter verspricht. Dies dürfte der Grund sein, warum etwa die grüne Bundestagsfraktionschefin Renate Künast, Direktkandidatin in Tempelhof-Schöneberg, voll auf Wellpappe von Pappwelle setzt. Chef der Firma Pappwelle ist übrigens ihr einstiger Wahlkampfleiter André Stephan, der Künast allerdings 2011 in der Auseinandersetzung um das Amt des Berliners Senatschefs vorzeitig verlassen musste – weil er, müde infolge von Alkoholgenuss, am Steuer seines Autos eingeschlafen war. Mitten auf der Straße.

Über die Wetterfestigkeit und damit die Wahlkampftauglichkeit der Öko-Plakate gibt es jetzt Streit. Etliche Konterfeis der Bundestagskandidaten hängen nämlich inzwischen deutlich schlapp am Mast, was einfach keinen guten Eindruck macht. Schließlich möchte kein Kandidat als aufgequollen und verweichlicht gelten. „Nach den Regenfällen und Unwettern der letzten Woche sind in mehreren Kreisverbänden Schäden an Pappwelle-Plakaten aufgetreten“ räumt Robert Heinrich, Bundeswahlkampfmanager der Grünen, ein. Derlei Probleme seien zwar nicht unüblich. „Trotzdem mussten wir feststellen, dass die gelieferten Plakate nicht die vertraglich zugesicherte und getestete Wetterfestigkeit haben.“ Man habe bei der Pappwelle jetzt „Nacherfüllung“ eingefordert, erklärt Heinrich. In welchem Umfang, ist noch unklar.

Die Firma Pappwelle sieht die Angelegenheit etwas anders, versichert aber schon mal, dass man die Kunden „umfangreich unterstützen“ werde: „Wir haben die Berichte über vom Unwetter beschädigte Plakate mit Bedauern zur Kenntnis genommen und werden unseren Kunden entgegenkommen“, teilt eine von Pappwelle beauftragte Kommunikationsagentur namens „Laut und deutlich“ mit – die übrigens von dem langjährigen grünen Wahlkampf-Profi Holger Michel geführt wird, in Berlin einst etwa Kampagnenleiter der Ex-Fraktionschefin im Abgeordnetenhaus, Franziska Eichstädt-Bohlig.

Michels Agentur betont für Stephans Firma zudem, dass die Mehrzahl der „korrekt angebrachten“ Pappwelle-Plakate seit Anfang August „mehrere aufeinanderfolgende, teils sehr schwere Gewitter mit Hagel und Sturm“ ohne größere Schäden überstanden habe, wie es leicht melodramatisch heißt. Mindestens 50 Tage Schlechtwetter hielten die Oköpappen aus, ausgenommen seien „drastische Wetterereignisse wie Hochwasser, Sturm oder massiver Hagel“. Also ausgerechnet das Wetter der vergangenen 14 Tage auch in Berlin, Hochwasser einmal ausgenommen.

Wie groß der Schaden ist, weiß auch Pappwelle noch nicht. „Exakte Zahlen liegen mir dazu nicht vor“, sagt Djuke Nickelsen, Marketingleiterin der Firma – und ehemals Fraktionssprecherin der Grünen im Abgeordnetenhaus. Pappwelle könne keine Gewährleistung für fehlerhaft angebrachte Plakate übernehmen, sagt Nickelsen vorbeugend. „Unsere Plakate sind bei korrekter Anbringung regenfest.“ Kulant wolle man aber in jedem Falle sein.

Gestreckter CDU-Finger

Auch die SPD hat derzeit ein Plakatproblem, nicht nur, aber auch in Berlin. Die Partei tritt in Steglitz-Zehlendorf mit sieben Jahre alten Wowereit-Porträts auf, obwohl der gar nicht kandidiert. Wowereit sei Platzhalter, bis die Plakate mit der tatsächlichen Direktkandidatin Ute Finckh-Krämer geliefert werden, heißt es. Hintergrund ist auch hier ein Streit um Öko-Plakate, ebenfalls aus recycelbarer Wellpappe. Sie heißen allerdings anders („Eco-Wave“) und kommen auch von einer anderen Firma, nämlich „Kompla“ aus Solingen, Chefin ist Silke Lahnstein. Die Bild-Zeitung berichtete über das angeblich neueste Kapitel der „Pannen-Serie“ im SPD-Wahlkampf. Weil Eco-Wave-Plakate im Hagel zerstört wurden, stornierte die Bundes-SPD die Solinger Pappe und orderte herkömmlichen Ersatz. Auch darüber gibt es jetzt Streit. Kompla-Chefin Lahnstein weist die Vorwürfe, ihre Plakate seien nicht wetterfest, zurück.

Bei der CDU in Steglitz-Zehlendorf halten zwar die Plakate, dafür sorgt das Motiv für Spott. Direktkandidat Karl-Georg Wellmann zeigt dem Betrachter nämlich seinen gestreckten Mittelfinger. Natürlich in untadeliger Absicht.