Der mit Abstand größte Waldbrand im heutigen Land Brandenburg seit 1970 ist seit Anfang der Woche gelöscht. Bei Jüterbog (Teltow-Fläming) wütete das Feuer in 800 Hektar Wald. Diese Zahl sagt Laien nicht allzu viel und auch die Umrechnung, dass es 1000 Fußballfelder sind, hilft nicht recht weiter. Klarer wird das ganze Ausmaß dieses Waldbrandes erst, wenn man die Zahl in eine Relation setzt.

Nach Angaben des Umweltbundesamtes gibt es einen Mittelwert der Waldbrände für den Zeitraum von 1993 bis 2016: Jedes Jahr passieren durchschnittlich 1001 Brände, bei denen 505 Hektar Wald betroffen sind – wohlgemerkt bundesweit.

Allein dieser eine Brand bei Jüterbog hat also weit mehr Wald vernichtet als alle Brände bundesweit. Auch sonst nimmt Brandenburg eine Sonderstellung in der Bundesrepublik ein, denn auch im Dürrejahr 2018 gab es allein in Brandenburg 500 Waldbrände – das ist die Hälfte des bundesweiten Mittelwertes.

Deshalb läuft nun eine Debatte, ob das Land ausreichend vorbereitet ist auf solche Großbrände – in Zeiten des Klimawandels, in denen es längere Hitzeperioden im Sommer gibt und in denen bereits ab April die höchste Waldbrandwarnstufe gilt.

Am Donnerstag hat der Landtag dazu ein neues Brand- und Katastrophenschutzgesetz verabschieden: Kernziel ist dabei, dass die Feuerwehren von Aufgaben befreit werden, die sie vom Löschen abhalten – wie die Notöffnung von Türen oder die Beseitigung von Ölspuren.

EU-Geld für Löschflugzeuge 

Im Parlament forderte CDU-Chef Ingo Senftleben, dass es in Brandenburg mehr hauptberufliche Feuerwehrleute geben müsse und dass Löschflugzeuge stationiert werden sollten. „Wir brauchen Löschflugzeuge“, sagte er. Feuerlösch-Staffeln gebe es derzeit in Europa in Spanien, Frankreich und Italien. Nun wolle die EU solche Staffeln auch nördlich der Alpen aufbauen.

„Die EU will drei Viertel der Kosten tragen“, sagte Senftleben, der auch schon einen Vorschlag hat, wo diese internationale Staffel stationiert werden soll: auf dem Flugplatz in Welzow in der Lausitz. Senftleben sagte auch, dass die Lage ernst sei, sonst hätte Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) sich nicht wegen der Löschhubschrauber an Kanzlerin Angela Merkel (CDU) gewandt.

Woidke sagte dazu im Landtag: „Ich habe Frau Bundeskanzlerin gebeten, bei der Beschaffung von Hubschraubern auch auf die Katastrophenschutz-Einsatzfähigkeit zu achten.“ Sein Brief ging auch an Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) und an Innenminister Horst Seehofer (CSU) – weil sowohl Bundeswehr als auch Bundespolizei über solche Hubschrauber verfügen, die im Notfall bei Bränden eingesetzt werden und die zum Schutz der zivilen Bevölkerung wichtig seien.

Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD) lehnte die Idee mit den Löschflugzeugen ab. Grundsätzlich sei es so, dass die Brandbekämpfung eine Aufgabe der Kommunen sei und dass in Brandenburg vor allem freiwillige Feuerwehren eingesetzt werden. „Das Land ist insgesamt gut vorbereitet“, sagte er.

Die Kommunen könnten auch hauptamtliche Feuerwehrleute einstellen, wenn sie dies wollen. Zur Finanzierung sagte der Minister, dass das Land den Kommunen in den nächsten zwei Jahren 280 Millionen Euro zusätzlich bereitstelle.

„Hubschrauber sind besser“

Zudem hat das Land nach dem Waldbrandjahr 2018 einiges geändert: So wurde die Förderung von 80 auf 100 Prozent erhöht, wenn Kommunen Tiefbrunnen für Löschwasser oder Waldbrandschneisen anlegen. Die Kosten der Kommunen für Hubschraubereinsätze übernimmt das Land zu 80 Prozent, obwohl das Land es nicht müsse.

Doch Löschflugzeuge seien wenig sinnvoll, sagte Minister Schröter. „Die Bundesländer stimmen überein, dass Hubschrauber das beste Mittel sind.“ Außerdem würde die EU nur die Anschaffung der Flugzeuge fördern, nicht aber den teuren laufenden Betrieb. Ein weiterer Grund: Die Flugzeuge nehmen das Wasser meist im Flug auf und dazu sind Brandenburgs Seen zu klein.

Derzeit fordert Brandenburg im Ernstfall von zwei Orten Hilfe aus der Luft an. Wenn es im Süden brennt, kommen die Hubschrauber der Bundeswehr aus Holzdorf, für den Norden werden Helikopter der Bundespolizei aus Blumberg angefordert. Beim Großbrand in Jüterbog waren teilweise bis zu fünf Hubschrauber im Einsatz, die insgesamt 870000 Liter Wasser abwarfen.

Der Vorteil: Die großen mobilen

Wassertanks für Hubschrauber können fast überall aufgestellt werden. „Die Hubschrauber können alle drei Minuten zwei Kubikmeter Wasser aufnehmen und dann ganz präzise auf das Feuer abwerfen“, sagte der Innenminister. „Die Löschunterstützung durch Hubschrauber hat sich als optimal erwiesen.“