Jüterbog - Es brennt in der Roten Zone: Mal wieder toben Waldbrände in der Nähe von Jüterbog im Landkreis Teltow-Fläming, südlich von Berlin. Und wieder brennt es auf einem ehemaligen Truppenübungsplatz. Es ist jene Region im Land Brandenburg, in der in den vergangenen drei Jahrzehnten immer wieder Großbrände wüteten – die dann meist auch noch die größten des Jahres waren im sowieso schon am meisten von Waldbränden bebeutelten Bundesland. In Wäldern voller Altmunition ist es besonders schwierig, die Feuer zu löschen. Deshalb haben sich die Brände von 50 Hektar am Donnerstag bereits auf 100 Hektar am Freitag ausgebreitet.

Die wichtigsten Fakten zu Bränden in munitionsbelasteten Wäldern.

Was bedeutet Rote Zone?

Diese Areale waren ehemalige Manövergebiete, in denen noch massenhaft Altmunition im Boden liegt. Dabei handelt es sich meist um Bomben oder Granaten, die bei Manövern verschossen wurden und die dann nicht explodiert sind.

Warum sind sie so gefährlich?

Das Problem ist, dass Blindgänger quasi Ausschuss sind. Sie sind nicht wie von den Konstrukteuren dieser tödlichen Waffen vorgesehen, explodiert. Niemand kann genau sagen, was defekt ist und wie gefährlich die Granaten noch sind.

Wie kann dort gelöscht werden?

Die Feuerwehr darf mit ihren Löschfahrzeugen nur über jene Wege an das Feuer heran, die bereits von Munition geräumt wurden. Dadurch kommen sie meist nicht in die Kernzone der Waldbrände. Die Feuer können nur aus der Luft mit Hubschraubern der Bundespolizei oder der Bundeswehr gelöscht werden.

Wie groß ist das Gelände bei Jüterbog?

Es wurde ab 1860 als militärischer Schießplatz genutzt. Nach dem Zweiten Weltkrieg übernahm die Sowjetarmee das Areal. Die militärische Nutzung endete 1992. Bei Jüterbog sind es knapp 7150 Hektar. „Die vier ehemals militärisch genutzten Flächen, die uns im Land übertragen wurden, sind 13650 Hektar groß“, sagt Andreas Meißner, Geschäftsführer der Stiftung Naturlandschaften Brandenburg. Der Bund übertrug mehrere Ex-Militärflächen dem Land, die es in die Stiftung überführte. „Bei Jüterbog steht nahezu die gesamte Fläche unter Kampfmittelverdacht – und große Teile sind auch tatsächlich mit Altmunition belastet“, sagt Meißner.

Warum wird die Munition nicht geräumt?

Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD) hat immer wieder betont, dass dies finanziell nicht machbar ist. Das Flächenland Brandenburg ist wegen der Schlachten um Berlin am Ende des Zweiten Weltkriegs noch immer das am stärksten mit Altmunition belastete Bundesland. Mehr als 13 Prozent des Landes sind Verdachtsfläche. Doch zuerst sollen die Blindgänger und anderen explosiven Altlasten in den besonders belasteten Städten wie Oranienburg, Brandenburg/Havel, Cottbus und Potsdam geborgen werden, weil dort viel mehr Menschenleben gefährdet sind. Im gesamten vergangenen Jahr wurden 326 Tonnen geborgen und mehr als 12 Millionen Euro ausgegeben. Seit 1990 waren es mehr als 400 Millionen Euro.

Was würde die Bergung in Gegenden wie Jüterbog kosten?

Sie wäre sehr teuer. „Die komplette Räumung auf den vier Liegenschaften würde 150 bis 250 Millionen Euro kosten“, sagt Andreas Meißner von der Stiftung Naturlandschaften.

Wäre es technisch möglich?

Nur theoretisch. „Es gibt nicht genügend Firmen und nicht genügend ausgebildete Kampfmittelräumer, um diese Aufgabe zu meistern“, sagt Meißner. Es fehlt auch die Technik. Denn das gesamte Areal müsste nicht nur sieben Meter tief nach Altmunition abgesucht werden, sondern auch große Teile des Bodens müssten gesiebt werden. Außerdem müssten zuerst alle Wälder gerodet werden, um überhaupt mit der Arbeit zu beginnen. Deshalb ist das Ziel nun, die Landschaft sich selbst zu überlassen - als Wildnis.

Was kann nun getan werden?

Die Stiftung ist sich der Gefahren bewusst und hat umfangreiche Maßnahmen ergriffen. Es werden Waldbrandschutzstreifen angelegt, damit sich ein Feuer nicht allzu weit ausbreiten kann. Außerdem werden überall Löschwasserteiche angelegt und auch Löschwasserbrunnen gebohrt, damit die Feuerwehren alle drei Kilometer Wasser zapfen können.