Man hat das Gefühl, die ganze Welt ist in der Waldbühne zusammengekommen. Da sitzen gut gelaunte Menschen mit orangefarbenen Trikots der niederländischen Nationalmannschaft, daneben werden schwedische Fahnen geschwenkt, auch sind spanische, kanadische, israelische und russische Flaggen zu sehen. Viele tragen einen Schirm mit sich, das Wetter ist wechselhaft. Einige tragen Kippa auf dem Kopf.

Zur Eröffnung der European Maccabi Games, die bis zum 5 August im Olympiapark ausgetragen werden, sind ungefähr 8000 Menschen gut gelaunt die anstrengenden Treppen der Waldbühne hinuntergestiegen. Nach und nach trudeln die Menschen ein, sobald sie die umfangreichen Sicherheitskontrollen passiert haben, sich danach an den Ständen mit Getränken und Essen versorgt haben.

Die älteren unter den Gästen hangeln sich am Geländer entlang, die jungen hüpfen herunter. Eine Gruppe von Jugendlichen stimmt Gesänge an, so wie man sie aus Fußballstadien kennt. Die Stimmung ist fröhlich hier in diesem Bau, der unter der Naziherrschaft errichtet wurde.

Großer Applaus

Großer Applaus um 20.45 Uhr als der deutsche Sänger Adel Tawil auf der Bühne ein Lied zusammen mit dem US- amerikanischen Sänger mit jüdischen Wurzeln Matisyahu singt, viele der Zuschauer klatschen und schwenken dazu ihre Fahnen.

Um 20.50 Uhr kommen zu heiterer jüdischer Klezmer Musik Bundespräsident Joachim Gauck, der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Dr. Josef Schuster, der Präsident von Makkabi Deutschland Alon Meyer, der Bürgermeister von Berlin Michael Müller und andere in die Waldbühne herein - pünktlich zum Einlauf der wichtigsten Akteure der Spiele, der Athleten.

Die Teilnehmer aller Nationen von Argentinien bis USA laufen dann unter Elektro Beats ein und lassen sich feiern, halten ihre Kameras in die Luft, machen Selfies und freuen sich. Darunter große Delegationen mit über 200 Teilnehmern wie England, USA und Deutschland - das als Gastgeberland mit über 350 Teilnehmern die größte Delegation ist. Aber auch kleine Delegationen, so wie Bosnien (3 Teilnehmer), Georgien und Irland (mit jeweils einem Teilnhemer.) Die kleinen Delegationen kriegen besonders viel Applaus.

Bundespräsident Gauck eröffnete schließlich gegen 21.40 Uhr die Spiele. Dass diese erstmalig in Deutschland ausgetragen würden, sei ein wichtiges historisches Symbol. Besonders, weil die Wettkämpfe auf dem Olympiagelände stattfänden, das 1936 Schauplatz der Spiele der Nazis gewesen sei.

Mehr als Sport

Bereits Stunden vor der Eröffnung waren die ersten Wettkämpfe angelaufen. Im Fußball siegt das deutsche Team gegen Mexiko mit 2:1. Und in der Sömmeringhalle in Charlottenburg beginnt das Basketball-Turnier, Deutschland gegen Frankreich und USA gegen Israel standen auf dem Programm.

Zunächst wird aber zu einer Gedenkminute aufgerufen. Alle in der Sporthalle stehen auf und gedenken Yohan Cohens. Dieser wurde am Tag des Attentats auf die Satirezeitschrift Charlie Hebdo in einem Supermarkt für koschere Ware in Paris durch einen islamistischen Terroristen ermordet. Cohen war 22 Jahre alt und spielte selbst Basketball in dem Sportverein Maccabi Sarcelles in einem Vorort von Paris. Erinnerung an einen Bruder im Geiste. Erinnerungen auch an die Gefahr für Menschen, die überall lauern kann, weil man Jude ist.

Derjenige, der zur Gedenkminute aufgerufen hat, ist der Berliner Ian Sheveck, Koordinator des Basketball-Turniers. Sheveck musste alles organisieren, den Spielplan, die Schiedsrichter, das Kampfgericht, die ganze Logistik. „Ich bin froh, dass es endlich losgeht. Und dass ich bei der Organisation vom Deutschen Basketball Bund unterstützt wurde.“

Im Spiel zwischen Frankreich und Deutschland gerät die deutsche Mannschaft schnell in Rückstand, die Niederlage mit 63:92 ist deutlich. Zu groß und athletisch sind die Franzosen. „Ich habe in meiner Mannschaft keine Profis dabei. Frankreich hat welche im Kader, das hat man gemerkt“, sagt Trainer Mathias Gierth. Das Besondere der Spiele für ihn sei es, dass man eine spezielle Verbindung mit der Mannschaft eingeht, sich auch mit den Spielern und Trainern der anderen Mannschaften austauscht.

„Schade, dass nicht mehr Zuschauer da sind“

„Viele kennen sich bereits aus früheren Jahren, in diesem Jahr ist es für uns besonders schön, dass wir vor heimischem Publikum spielen können.“ Eltern und Verwandte der Spieler sind aus Koblenz, Frankfurt, Düsseldorf, Nürnberg, Mönchengladbach angereist, um die Mannschaft anzufeuern. Aber auch Anwohner wie Renate Lauterborn, die es liebt, Basketball zu schauen und die ein langjähriger Alba-Fan ist. Sie findet nur eines nicht so gut: „Schade, dass nicht mehr Zuschauer da sind.“

Der Chef von Maccabi USA, Ron Carner, sagt: „Die Makkabi-Spiele sind mehr als nur Sport. Sport ist nur das Vehikel für das Zusammenkommen von Juden weltweit. Das schweißt zusammen.“ Als er erfahren habe, dass die Spiele in Berlin stattfinden, habe er ein Pochen in seiner Brust gespürt, er sei sehr aufgeregt gewesen.

„An diesem historischen Ort wird es mir eine Freude sein, beim Einmarsch in den Olympiapark teilzunehmen. Als Chef der Delegation könnte ich auch oben sitzen und zuschauen, aber diesen Einzug lass ich mir nicht entgehen.“ Was ist das Besondere? Zum einen ist es für ihn ein Triumph über die Barbarei der Nazi-Herrschaft, zum anderen aber gehe es auch darum, die jüngeren Generationen an diese Zeit zu erinnern.

Ron Carner spricht von Suchtpotenzial, das die Maccabi Games bei den Teilnehmern auslösen kann, einmal dabei, immer dabei. „Unzählige Male sind ehemalige Teilnehmer zu mir gekommen und haben gesagt, dass die Maccabi Games ein Highlight in ihrem Leben waren.“ Am 3. August findet in Berlin ein Highlight der aktuellen Spiele statt: Eine Auswahl von Alba Berlin und Maccabi Tel Aviv, die All-Stars, spielen gegen eine Auswahl des Turniers.