Berlin - Im Westen von Berlin entsteht eine neue Rad- und Wanderwegverbindung entlang der Spree. Zwischen Charlottenburg und Spandau werden auf rund sieben Kilometern bestehende Uferwege ausgebaut sowie bislang unzugängliche Uferabschnitte erschlossen. Auch eine Spreebrücke wird gebaut. Doch das von Umweltschützern und Kleingärtnern kritisierte Vorhaben hat seine Tücken, und es wird erst 2027 abgeschlossen. Radfahrer und Fußgänger müssen sich den Platz teilen – Konflikte sind programmiert. Am Donnerstag informierte die Infravelo über den Stand des Projekts.

„Wir wissen, dass nicht alle Wünsche erfüllt werden können“, sagte Katja Krause, die Geschäftsführerin des landeseigenen Unternehmens. Radpendler, die auf eine durchgehend asphaltierte, breite und kurvenfreie Schnellverbindung hoffen, werden wahrscheinlich ebenso enttäuscht sein wie Fußgänger, die ungestört von Fahrzeugverkehr flanieren wollen.

Im Clinch mit Fußgängern

Im Vergleich zu heute, sind aber auf jeden Fall Verbesserungen zu erwarten. Derzeit wird der Spree-Radweg, der mit 360 Kilometern längste Radfernweg im Osten Deutschlands, noch vor der Mündung zu einer schmalen Holperstrecke. Zwischen Zäunen und Kleingärten, auf Sand oder auf von Anrainern aufgeschütteten Steinen mühen sich die Radfahrer voran – oft im Clinch mit Fußgängern. Der Steg unter der Eisenbahnbrücke Jungfernheide ist gerade mal 1,50 Meter breit. Die schlechte Wegstrecke macht auch Rollstuhlfahrern und Fußgängern mit Kinderwagen zu schaffen. „Heute ist die Verbindung nicht barrierefrei“, so Projektchef Wetzker. Auf der Spandauer Halbinsel Sophienwerder hört sie ganz auf, westlich davon sind die Spreeufer nicht mehr zugänglich.

Schon Anfang der 1980er-Jahre sprach sich das Spandauer Bezirksparlament für einen Spreeweg aus. 2018 beschloss das Berliner Abgeordnetenhaus, die jetzige Verbindung auszubauen und durch neue Abschnitte zu ergänzen. Inzwischen wurde als Kompromiss entschieden, einen vier Meter breiten Weg anzulegen, der von Radfahrern und Fußgängern gemeinsam genutzt wird.

Wobei aber eine klare Priorität gesetzt werde: „Die Wegebereiche gelten als Grünanlage“, erklärte Wetzker. Das bedeutet, dass der Fußverkehr Vorrang hat. „Der Radverkehr wird zwar zugelassen, muss sich aber unterordnen.“ Aus seiner Sicht sei das „kein Problem“, denn zwischen Charlottenburg und Spandau würden auch zwei Radschnellverbindungen geplant, die dem zügigen Vorankommen dienen. Eine soll unter anderem entlang des Spandauer Damms verlaufen, die andere entlang der Nonnendammallee. Ein Zeit-Horizont wurde aber nicht genannt.

Fußgängerlobby will keinen „asphaltierten Allerweltweg“

Der Planer machte deutlich, dass es im Interesse der Verkehrssicherheit und des Komforts sicher besser gewesen wäre, einen drei Meter breiten Radweg und daneben klar abgetrennt einen zwei Meter breiten Fußweg zu bauen. Doch dafür fehle der Platz, und schon jetzt sei klar, dass Bäume gefällt werden müssen – was Umweltschützer kritisieren. Der Charakter als „urwüchsiger, etwas wilder Weg“ sollte erhalten bleiben, sagte Roland Stimpel vom Fachverband Fußverkehr Deutschland (FUSS). „Der Spreepfad sollte nicht zu einem asphaltierten Allerweltsweg glattgebügelt werden.“ Das Grün sollte geschont, der Weg nicht verbreitert werden. „Der Spreepfad ist wertvoll, weil er gerade nicht perfekt ist.“ Zwar werde es Abschnitte mit einer Asphaltdecke geben, so Wetzker. Aber auch andere Beläge seien in der Diskussion: wassergebundene Wegedecken, Pflaster, Epoxitharz.

In Charlottenburg wird die Wegeverbindung wie heute schon am Südufer der Spree verlaufen. Der Steg unter der Eisenbahnbrücke Jungfernheide wird künftig drei Meter breit sein. Weil für den Neubau der Schleuse Charlottenburg Kleingärten abgeräumt werden, kann die Trasse auch dort künftig breiter ausfallen. Auf Sophienwerder entsteht auf der Uferböschung ein neuer Weg. In Höhe des Grützmachergrabens führt künftig eine Brücke über den Fluss. Das Ingenieurbüro Schlaich Bergermann Partner will im Sommer einen ersten Entwurf vorstellen. Am Nordufer geht es auf einer völlig neuen Trasse zum Spandauer Horn – dort fließt die Spree in die Havel.

„Wenn alles glatt läuft, können wir auf dem Spandauer Abschnitt 2024 mit bauvorbereitenden Maßnahmen beginnen. 2027 könnte das Teilstück fertig sein“, so Wetzker. Auf der Charlottenburger Seite soll der erste Abschnitt bis zum Fürstenbrunner Weg ab Anfang 2022 ausgebaut werden, 2023 wäre die Fertigstellung. Es ist ein komplexes Projekt.