Zwei junge Frauen springen nach einem Regenguss mit bunten Regencapes über den Marie-Elisabeth-Steg am Paul-Lübbe-Haus.
Foto: dpa/Annette Riedl

BerlinDie Damen tragen dicke Winter-Strumpfhosen statt bauchfreier Tops, mancher geht in diesen Tagen nachts mit Wärmflasche ins Bett. Da fragt man sich, wann es mal wieder richtig Sommer wird. Andreas Friedrich vom Deutschen Wetterdienst (DWD) beruhigt, dieser Sommer 2020 sei ein typisch deutscher Sommer, wie wir ihn früher sehr häufig hatten. Viele empfinden die derzeitigen Temperaturen als viel zu kalt, aber das sei nicht so. „Durch die vergangenen zwei viel zu trockenen und heißen Sommer 2018 und 2019 sind wir nur verwöhnt. Das waren richtiggehend abnormale Sommer, weit weg von der Normalität.“ Er erinnert sich an seine Jugend in den 80er-Jahren, „da waren Hitzetage die Ausnahme! Nun werden wir in diesem Jahr wieder zurückgeführt auf das Level eines normalen Sommers.“

Wenn man die Statistik betrachtet, fällt auf, dass der Juni sogar deutlich zu warm war. Im Vergleich mit den Temperaturen von 1961 bis 1990, wo es durchschnittlich 16,5 Grad warm war, hatte Berlin-Brandenburg in diesem Jahr 18,5 Grad – das sind zwei Grad mehr als normal. Wobei, für Berlin und Brandenburg sieht es tatsächlich in diesem Sommer immer etwas schlechter aus als für die südlicheren Bundesländer. „Es gibt bei den Tiefdruckgebieten ein Nord-Süd-Gefälle, sie trafen auf ihrem Weg nach Skandinavien den Nordosten heftiger als den Süden.“

Sonnenschein und Kaltfronten

Der meteorologische Sommer reicht vom 1. Juni bis zum 31. August. Somit befinden wir uns jetzt ungefähr auf der Halbzeit des gegenwärtigen Sommers. Andreas Friedrich: „Der Juli lässt allerdings bisher etwas zu wünschen übrig. In Brandenburg/Berlin waren es in den ersten 13 Tagen durchschnittlich 17,6 Grad, der normale Durchschnitt liegt bei 17,8 Grad, also war es bisher mit 0,2 Grad weniger tatsächlich etwas zu kalt. Aber das ist nicht dramatisch.“ Es handele sich jetzt lediglich um einen ganz normalen Schaukel-Sommer, der sich dadurch auszeichnet, dass es immer wieder einen Wechsel zwischen kurzen Hitzeperioden mit Sonnenschein und Kaltfronten gibt. „Dieses Spiel wird sich auch in den nächsten zehn Tagen fortsetzen. Unsere Computersimulationen sagen voraus, dass sich die Temperaturen zum Wochenende hin wieder steigern werden. Am Sonntag und vor allem Montag erwarten wir tagsüber durchaus bis zu 30 Grad. Dann wird das Thermometer bis Mitte der nächsten Woche auf 20 bis 25 Grad sinken. Nachts wird es mit 15 bis 17 Grad deutlich milder.“

Mittelfristig zeichnet sich aber kein beständiges Hoch ab. Wie kam es dann aber zu den Prophezeiungen eines heißen Sommers? Andreas Friedrich winkt entschieden ab. „Die Klimaforscher reden von den nächsten Jahrzehnten. Das ist ein anderes Thema, als im Frühjahr zu versuchen, den Sommer 2020 als extrem heiß und sonnig zu verkaufen. Das ist unseriös und mit so etwas versuchen manche, Schlagzeilen und damit Klickzahlen zu erzeugen.“

Trotzdem bleibt es bei den Prognosen der Klimaforscher, die für die kommenden Jahre eine globale Durchschnittstemperatur von mehr als 1,5 Grad über dem Niveau des vorindustriellen  Zeitraums (1850–1900) erwarten.  Die Weltwetterorganisation berichtet, dass die Wahrscheinlichkeit, dass eines der Jahre im Zeitraum 2020 bis 2024 diesen Wert erreicht, bei 20 Prozent liege. Die Sommer werden durch die globale Klimaerwärmung auch in den Bergen heißer. Selbst oberhalb von 1000 Metern Höhe werden Temperaturen über 30 Grad häufiger, wie aus Auswertungen des Deutschen Wetterdienstes (DWD), des Bundesamts für Meteorologie und Klimatologie MeteoSchweiz und der österreichischen Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) hervorgeht. (mit dpa)