Berlin - Busse, U- und S-Bahnen sowie Regionalzüge bilden eine Art Betriebssystem für Berlin. Im Idealfall läuft es reibungslos. Fallen Teile jedoch aus, kommt es sofort zu schweren Störungen – wie durch den Warnstreik bei der Deutschen Bahn am Montagmorgen. Betroffen waren in Berlin die S-Bahn-Betriebszentralen, die Betriebszentrale von DB Netz und das ICE-Werk Rummelsburg.

Die Zahl der Eisenbahner, die nach dem Aufruf der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft EVG von 6 bis 9 Uhr die Arbeit niederlegten, war relativ gering. Doch sie reichte aus, um große Teile der Hauptstadt-Region ins Chaos zu stürzen. Regional- und Fernzüge fielen aus, bei der S-Bahn konnten nur einige Teilstrecken betrieben werden. Der Ring und die Stadtbahn lagen brach.

Immerhin: Am Montag teilte die EVG mit, dass sie am Dienstagnachmittag an den Verhandlungstisch zurückkehrt. „So lange wird es keinen weiteren Warnstreik geben“, sagte EVG-Sprecher Oliver Kaufhold.

Erst abends normalisierte sich der Verkehr

Bundesweit waren Millionen DB- Kunden betroffen. Sie waren die Leidtragenden des ersten Warnstreiks in den laufenden Tarifverhandlungen, die am Sonnabend abgebrochen worden waren. Dass die Arbeitsniederlegung auch die Berliner S-Bahn betrifft, war bei der Gewerkschaft dem Vernehmen nach relativ kurzfristig entschieden worden. Zunächst hieß es, dass die Hauptstadt-Region verschont bleiben soll.

Anderswo in Deutschland begann der erste Bahnstreik seit dreieinhalb Jahren um 5 Uhr. Die Bahn stellte den Fernverkehr ein, auch in Berlin verließen ICE-Züge ihre Abstellgleise nicht. Bundesweit kam es im Regionalverkehr ebenfalls zu Einschränkungen, besonders in Bayern und Nordrhein-Westfalen, aber auch in der Region Berlin. Erst am Abend normalisierte sich der Verkehr.

„Dieser unnötige Streik trifft Kunden und Bahn zur Unzeit“

„Wir halten den Warnstreik für verhältnismäßig“, verteidigte der EVG-Bundesgeschäftsführer Torsten Westphal den Ausstand. Die Mitglieder hätten die Aktionen zum großen Teil selbst gesteuert. „Es gab einen große Bereitschaft, weil es auch einen großen Unmut gab.“ Die Verhältnismäßigkeit war aber am Montag umstritten, vor allem, wegen der kurzen Vorwarnzeit.

Diese massive Form der Streiks halte er für überzogen, weil es keine rechtzeitige Ankündigung gegeben habe, sagte Karl-Peter Naumann, Ehrenvorsitzender des Fahrgastverbands Pro Bahn, der Rheinischen Post. Und auch die FDP kritisierte den Warnstreik. „Erst streikt die Technik, jetzt das Personal: Die Bahn ausgerechnet zum Fahrplanwechsel in dieser angespannten Lage trotz eines guten Angebotes zu bestreiken ist dreist und verantwortungslos“, sagte Oliver Luksic, verkehrspolitischer Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, der Berliner Zeitung (Redaktionsnetzwerk Deutschland).

„Dieser unnötige Streik trifft Kunden und Bahn zur Unzeit, er verschärft die sowieso angespannte Lage der Bahn und damit schneiden sich die Gewerkschafter ins eigene Fleisch.“

Vor Weihnachten kein Streik mehr

Die Bahn verhandelt mit der EVG und der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) einen neuen Tarifvertrag für 160.000 Beschäftigte. Zu dem aktuellen Warnstreik hat die EVG aufgerufen, die GDL hat zugesagt, dass es vor Weihnachten keinen Streik von ihrer Seite geben werde.

Die EVG fordert 7,5 Prozent mehr Geld für die Mitarbeiter. Außerdem will sie, dass Arbeitnehmer statt des Geldes mehr Urlaub oder eine kürzere Arbeitszeit wählen können. Die GDL verlangt ebenfalls 7,5 Prozent mehr Geld. Ihre Verhandlungen gehen am Dienstag in Eisenach weiter.

Die Bahn hatte der EVG neben einer Einmalzahlung von 500 Euro eine Entgelt-Erhöhung in zwei Stufen angeboten: 2,5 Prozent zum 1. März 2019, weitere 2,6 Prozent zum 1. Januar 2020, bei einer Vertragslaufzeit von 29 Monaten. Umstritten ist nach Gewerkschaftsangaben nicht nur die Lohnerhöhung, sondern auch, ab wann die Wahlmöglichkeit zwischen mehr Geld oder mehr Freizeit greifen soll. Gesprächsbedarf gebe es auch noch bei der Laufzeit des Vertrags und der Altersvorsorge. (tom./dpa, AFP)