Warnstreik der BVG: Streikposten auf dem Betriebshof Cicerostraße.

Foto: Berliner Zeitung/Markus Wächter

BerlinKeine Busse, keine Straßenbahnen, keine U-Bahnen: Wie angekündigt hat heute im Berliner und Brandenburger Nahverkehr ein weitreichender Warnstreik begonnen. Bei den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG) legten die Beschäftigten mit Betriebsbeginn um 3 Uhr die Arbeit nieder, wie Jeremy Arndt, der Verhandlungsführer der Gewerkschaft Verdi am Morgen sagte.

Gegen 10.30 Uhr ließ sich sagen, dass der Berufsverkehr weitgehend durch war in Berlin - mit durchwachsener Bilanz. Dass die S-Bahn auf einigen Strecken mehr Züge eingesetzt hatte, half sicherlich. Bei trockenem, mildem Herbstwetter waren auch viele Menschen auf das Fahrrad umgestiegen.

„Die ersten Einschränkungen auf den Autobahnen wurden jetzt wieder aufgehoben. Aktuell sind noch folgende Einfahrtssperrungen auf der A100 aktiv: Siemensdamm, Buschkrugallee, Britzer Damm“, meldete die Verkehrsinformationszentrale.

Eine Straßenbahn steht hinter einem Tor des Betriebshofes der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) in Lichtenberg. Seit 3 Uhr läuft der Warnstreik im öffentlichen Nahverkehr.
Foto: dpa/Paul Zinken

Die Arbeitsniederlegung bei der BVG soll gegen 12 Uhr enden. „Im Interesse der Fahrgäste haben wir so entschieden“, sagte Arndt. Die Gewerkschaft schloss allerdings nicht aus, dass es demnächst zu weiteren Arbeitskampfmaßnahmen kommt.

Die S-Bahn sei pünktlich und reibungslos in den Tag gestartet, teilte die Pressestelle gegen 7 Uhr mit. Die Betriebsreserven seien sowohl auf der Stadtbahn, als auch auf dem Ring und der Nord-Süd-Strecke im Einsatz. Die Züge waren gegen 6.30 Uhr etwa zur Hälfte mit Fahrgästen besetzt. „Wir haben an 28 Standorten innerhalb des Rings und an großen Kreuzungsbahnhöfen Kundenbetreuer stationiert, die den Fahrgästen Auskunft geben“, hieß es weiter.

Im Laufe des frühen Morgens wurden die S-Bahnen am Alex voller. 
Foto: BLZ/Christian Gehrke

Aktivisten von „Fridays for Future“ (FFF) unterstützten die Streikenden. „Wenn wir eine Mobilitätswende wollen, ist der ÖPNV ein ganz zentraler Schlüssel“, sagte Helena Marschall von FFF der Berliner Morgenpost. Es gebe jetzt schon Personalmangel. „Wenn wir die Arbeitsbedingungen nicht verbessern, können wir den ÖPNV nicht ausbauen.“

Ein Aktivist von Fridays for Future steht vor dem BVG Betriebshof Cicerostraße und unterstützt die Streikenden mit einem Plakat.  
Foto: dpa/Fabian Sommer

Mehr Staus am frühen Morgen

„Wir beobachten, dass die Verkehrsspitzen heute deutlich früher beginnen als an regulären Tagen“, teilte die Verkehrsinformationszentrale (VIZ) Berlin gegen 7.30 Uhr mit. Anders formuliert: Auf vielen Straßen hat der Morgen-Stau früher als sonst eingesetzt - meist 30 bis 60 Minuten. „Viele Pendler sind früher losgefahren,“, hieß es bei der VIZ. „Die ersten großen Staus bauten sich bereits gegen 6.30 Uhr auf.“

Betroffen sind derzeit unter anderem die A113, wo eine Baustelle den Platz einengt. Auch am Frankfurter Tor und auf der Landsberger Allee hat die Morgenspitze deutlich früher begonnen. Zudem dauert es länger, bis die Staustellen passiert sind. Statt normalerweise fünf müssen Kraftfahrer zehn bis 15 Minuten mehr Fahrzeit in Kauf nehmen. Die Heerstraße und Am Juliusturm in Spandau sind weitere Beispiele.

Auch bei früheren Warnstreiks der BVG war der Verkehr auf den Berliner Straßen dichter als sonst üblich. „Diesmal kam allerdings hinzu, dass auch ein großer Teil des Brandenburger Nahverkehrs betroffen ist.“ Trotdem boten Car-Sharing-Anbieter wie „We Share“ ihren Nutzern besondere Tarife für den Tag an. 

Was ist das Ziel des Arbeitskampfes?

Es geht in dem bundesweiten Streit um bessere Arbeitsbedingungen. Der Betrieb wird gestoppt, weil die Vereinigung kommunaler Arbeitgeberverbände Verhandlungen abgelehnt hat. Verdi will erreichen, dass alle knapp 15.000 BVG-Beschäftigten 36,5 Stunden pro Woche arbeiten. Für viele Mitarbeiter würde das eine Arbeitszeitverkürzung mit vollem Lohnausgleich bedeuten. Außerdem verlangt die Gewerkschaft für ihre Mitglieder in der BVG einen „Mitgliedervorteil“ von 500 Euro Urlaubsgeld pro Jahr. Am 13. Oktober sollen die Gespräche mit dem Kommunalen Arbeitgeberverband weitergehen.

Folgende Buslinien fahren ohne Einschränkung

Buslinien, die von privaten Subunternehmen befahren werden, bleiben in Betrieb. Folgende Strecken werden ohne Einschränkungen bedient: 106, 112, 140, 161, 163, 168, 175, 179, 184, 234, 275, 284, 334, 341, 349, 363, 369, 370, 371, 380, 399, 740, 744, N12, N23, N34, N35, N39, N40, N52, N53, N56, N58, N60, N61, N62, N67, N68, N69, N77, N84, N88, N90, N91, N95 und N97. Auf diesen Buslinien gibt es Einschränkungen: 218, 283, 395 und 398.