Händler Hans G. verkauft Glühwein auf dem Weihnachtsmarkt vor dem Einkaufszentrum Alexa am Alexanderplatz. Jetzt bekam er Besuch von Polizisten. „Sie haben mich gebeten, auf meine Kunden aufzupassen und sich ein wenig umzuhören“, sagt der Verkäufer. Die Beamten befürchteten, dass wieder der Giftmischer unterwegs sei. So wie Hans G. werden in diesen Tagen auch die Händler auf anderen Weihnachtsmärkten angesprochen. Zugleich wurden die Sicherheitsvorkehrungen verstärkt. Es seien mehr Streifen unterwegs, in Zivil und in Uniform, heißt es im Polizeipräsidium.

Der unbekannte Giftmixer hatte schon vor zwei Jahren auf Weihnachtsmärkten für Angst und Schrecken gesorgt. Er lud unbekannte Besucher zu einem Glühwein oder einen Schnaps ein, um gemeinsam die Geburt seines Kindes zu feiern. So seine Geschichte. Zuletzt hatte der etwa 45 Jahre alte und 1,80 Meter große Mann zu Ostern vergangenen Jahres versucht, zwei Frauen am Hauptbahnhof zu überzeugen, Schnäpse mit ihm zu trinken. Die beiden lehnten ab.

20 Verletzte

Vor zwei Jahren wurden 20 Besucher, die die spendierten Getränke zu sich genommen hatten, schwer verletzt. Alle Opfer mussten in Krankenhäusern behandelt werden. Bei einer Frau konnten Ärzte zunächst nicht ausschließen, dass sie bleibende Schäden zurück behält. Sie sei glücklicherweise wieder genesen, sagen Bekannte heute. Bei der Polizei gingen 50 Hinweise auf den schlanken Mann mit den dunkelblonden Haaren ein. Obwohl ein Betreiber 1 000 Euro Belohnung aussetzte und seinen Weihnachtsmarkt von zivilen Sicherheitsleuten überwachen ließ, wurde der Panscher nicht gefasst.

Gerüchte, wonach die Ermittlungen wegen gefährlicher Körperverletzung eingestellt wurden, wies ein Polizeisprecher zurück. Zwar sei das Phantombild des Mannes aus der Fahndungsliste genommen worden. Das liege aber daran, dass die von einem Richter festgelegte Zeit, in der das Bild veröffentlicht werden darf, abgelaufen war, so der Sprecher. In den kommenden Tagen soll eine neue Phantomzeichnung veröffentlicht werden. Zum möglichen Motiv des Täters gibt es nur Spekulationen. Vielleicht sei er machtsüchtig oder er wolle Menschen leiden sehen, sagen Fahnder. „Oder er ist einfach nur durchgeknallt.“

"Nimm es nur von mir"

Hans G. hat viel Erfahrung mit dem Ausschenken von Glühwein. Seit dem Dezember 2011 achte er an seinem Stand genau darauf, wer wem einen Drink ausgebe. Er habe mit ansehen müssen, als vor zwei Jahren einem Mädchen derartig schlecht wurde, dass es zusammen sackte und ins Krankenhaus gebracht werden musste. Zuvor soll ein Mann in einem Weihnachtsmannkostüm ihm einen Schnaps ausgegeben haben, hat Hans G. gehört.

Der Giftmischer fand seine Opfer vor allem auf den Weihnachtsmärkten auf dem Alexanderplatz, am Neptunbrunnen, auf dem Breitscheidplatz sowie am Opernpalais und vor Alexa. Der Verkäufer Hans G. will jetzt ein Schild an seinem Stand befestigen. Darauf wird stehen: „Nimm es nur von mir!“