Für viele Auto- und Radfahrer war es eine harte Zeit, und wie so oft dauerten die Bauarbeiten länger als geplant. Doch nun ist es geschafft: Nach zwei Jahren ist die Warschauer Straße keine Baustelle mehr. Am Donnerstag wollen Stadtentwicklungssenator Andreas Geisel (SPD) und Bezirksstadtrat Hans Panhoff (Grüne) die umgestaltete Fahrbahn symbolisch eröffnen.

Weniger Platz für Autofahrer

So könnte auch für viele andere Hauptstraßen in Berlin die Zukunft aussehen: Für Autos gibt es weniger, für Fahrräder und den Wirtschaftsverkehr mehr Platz. Für die Warschauer Straße in Friedrichshain heißt das konkret: Von den rund 120 Parkplätzen, die es einst gab, sind nicht mal 20 übrig geblieben.

Der Raum wurde größtenteils den Radlern zugeschlagen, für die beidseitig Radfahrstreifen auf den Fahrbahnen neu markiert wurden. Ebenfalls neu: Auf der Ostseite sind Ladezonen entstanden, dort dürfen Paketdienste und andere Lieferwagen zum Be- und Entladen halten.

Falschparker blockieren Radfahrstreifen und Ladezonen

Doch was in der Theorie gut aussieht, kann in der Praxis durchkreuzt werden. Die Radfahrstreifen und Ladezonen können längst nicht überall genutzt werden, weil sie oft von falsch haltenden und parkenden Fahrzeugen blockiert werden. Lieferwagen zwingen Radler zu einem gefährlichen Slalom in den Autoverkehr. Dort, wo Platz für Lieferfahrzeuge wäre, parken Privatautos.

Im Prinzip seien die Radspuren eine gute Sache, so der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC). Auf der Warschauer Straße seien sie mit 1,50 Metern plus Sicherheitsabstand „zwar regelkonform, aber für den zu erwartenden starken Radverkehr zu schmal“, teilte der Verband mit. Ein Überholen sei auf dem Radfahrstreifen nicht möglich. Eine Breite von mindestens zwei Metern plus Sicherheitsabstand wäre besser.

Gehwege an vielen Stellen schmaler

Vielerorts wurde zudem der Gehweg verengt. Für den rollenden Autoverkehr gab es keine Einschränkungen. „Damit ist die Chance vertan, die Aufenthaltsqualität in der Warschauer Straße zu verbessern“, sagte Franziska Schneider von der ADFC-Stadtteilgruppe.

Planer widersprachen. So seien die Fahrstreifen für die Autos mit drei Metern bis zu 50 Zentimeter schmaler als zuvor. Die Fahrbahn erhielt einen lärmmindernden Asphaltbelag. Zudem entstanden Rad-Stellplätze – 400 Stahlbügel. „Land und Bezirk haben gemeinsam gezeigt, wie man den Straßenraum intelligent aufteilen kann“, so Stadtrat Panhoff.

Der Umbau des 940 Meter langen Abschnitts hat 4,3 Millionen Euro gekostet. Ursprünglich sollte schon im September 2015 alles fertig sein. Doch die Bauleute stießen auf Leitungen, die in keinem Plan verzeichnet waren. Berlins unbekannter Untergrund habe die Arbeiten verzögert, sagte Panhoff.