Taschendiebstähle, Raubüberfälle, Messerstechereien: Wer den Polizeibericht liest, bekommt den Eindruck, dass der S-Bahnhof Warschauer Straße und seine Umgebung unsicherer geworden sind. Jetzt wird dieser subjektive Eindruck durch offizielle Zahlen bestätigt. „Das durch die Bundespolizei aufgenommene Straftatenaufkommen hat sich erhöht“, sagte Jens Schobranski von der Bundespolizeidirektion der Berliner Zeitung. Der Negativtrend gilt auch für weitere Stationen in Friedrichshain.

Seit jeher ist am S-Bahnhof Warschauer Straße und davor rund um die Uhr einiges los. Abends und nachts steuern viele junge Leute die Bars von Friedrichshain an – oder das RAW-Gelände in der Revaler Straße. Auf dem Weg dorthin mischen sich immer mehr Diebe, Drogenhändler und andere Kriminelle ins Gedränge – das macht sich in der Statistik deutlich bemerkbar.

Fernreisende leichte Beute für Taschendiebe

Auf dem S-Bahnhof Warschauer Straße registrierte die Bundespolizei 2013 insgesamt 127 Straftaten. Im vergangenen Jahr waren es bereits 200, im ersten Halbjahr 2015 schon 136, was auf einen weiteren Anstieg hinweist. Am Ostkreuz, einer weiteren Drehscheibe des Partyverkehrs, ist die Tendenz ebenfalls steigend. 2013 erfasste die Bundespolizei 309 Delikte, im vergangenen Jahr 447. Im ersten Halbjahr 2015 waren es 317.

Einen Anstieg der Kriminalität verbuchte die Bundespolizei auch für den S-Bahnhof Frankfurter Allee und den Ostbahnhof. Die Zahl der Delikte ist im Ostbahnhof ohnehin schon hoch. Ermittler erklären dies damit, dass dort auch viele Fernreisende unterwegs sind, die häufiger als andere Fahrgäste Taschendieben zum Opfer fallen. 2014 registrierte die Bundespolizei im Ostbahnhof 855?Straftaten – im ersten Halbjahr 2015 waren es 517.

Taschendiebe mögen RAW-Areal

Die Bundespolizei hat ihre Präsenz auf dem S-Bahnhof Warschauer Straße verstärkt. Sprecher Thorsten Peters: „Sowohl in Dienstkleidung als auch in Zivil.“ Der Friedrichshainer SPD-Abgeordnete Sven Heinemann sieht aber auch die Bahn in der Pflicht: „Sie lässt es zu, dass dort rund um die Uhr Alkohol verkauft wird.“ Er plant für Ende Oktober einen Runden Tisch.

Auch auf dem RAW-Gelände und den angrenzenden Gehwegen nimmt die Kriminalität zu, teilte Innen-Staatssekretär Bernd Krömer (CDU) Gerwald Claus-Brunner von den Piraten mit. „Besonders markant“ sei seit August 2014 die Zahl der Taschendiebstähle gestiegen. Außerdem gebe es mehr Drogendelikte und Körperverletzungen.