Berlin - Die Omikron-Variante breitet sich rasend aus, doch Berlin kommt mit den PCR-Tests nicht hinterher. An den wenigen staatlichen Testzentren wird der Andrang immer größer. Stundenlanges Anstehen ist mittlerweile Normalität – manchmal bis zu vier Stunden, wie der RBB am Wochenende berichtete. Omikron hat für einen viel stärkeren Andrang gesorgt. Doch nur mit einem negativen Coronatest kann die Quarantäne früher beendet werden. Die Situation, so die Befürchtung, könnte sich durch Omikron noch verschärfen. Jetzt wollen Senat und Bezirke gegensteuern.

„Wir prüfen derzeit in alle möglichen Richtungen, wie wir die Kapazitäten für kostenfreie PCR-Tests erhöhen können“, sagte Laura Hofmann, Sprecherin von Gesundheitssenatorin Ulrike Gote (Grüne), am Sonntag der Berliner Zeitung. „Sei es über Maßnahmen in den landeseigenen Testzentren wie Ausweitung der Öffnungszeiten oder mehr Personal oder auch über eine Beauftragung privater Testzentren.“ Der Gesundheitssenatorin sei sehr wichtig, hier schnell eine Lösung zu finden.

Am Donnerstag hatte es zu den Engpässen in den landeseigenen Testzentren eine Runde der Gesundheitsstadträte mit der Gesundheitssenatorin gegeben. „Im Gespräch ist, dass die Anzahl kommerzieller Testzentren für zusätzliche PCR-Tests erhöht wird“, sagte Neuköllns Bezirksamtssprecher Christian Berg am Sonntag. „Allerdings muss da noch die Kostenübernahme geklärt werden. Bislang läuft das alles über die Kassenärztliche Vereinigung.“

Neukölln ist der Bezirk mit der zweithöchsten Sieben-Tage-Inzidenz. Sie lag am Sonntag bei 861,8. Berg sagte, dass der Bezirk außerdem noch ein mobiles Team habe, um Abstriche in Bildungs- und Pflegeeinrichtungen vorzunehmen. „Aber da sind wir mit den Kapazitäten bereits am Anschlag.“

Der Andrang bei den Teststellen hat vermutlich auch mit den Beschlüssen der Ministerpräsidentenkonferenz (MPK) vom Freitag zu tun: Mitarbeiter der kritischen Infrastrukturen, etwa des Gesundheitswesens, sollen sich schon nach sieben statt nach 14 Tagen „freitesten“ können. Dies soll mittels PCR- oder zertifiziertem Antigen-Schnelltest geschehen. Für alle, die nicht frisch geimpft oder „geboostert“ sind, soll die Quarantäne auf zehn Tage verkürzt werden – verbunden mit der Möglichkeit, sich bereits nach sieben Tagen „freizutesten“. Kindern soll dies bereits nach fünf Tagen erlaubt sein.

„Freitesten“ auch mit Schnelltests

Anspruch auf eine kostenlose PCR-Nachtestung besteht nur in den senatseigenen Testzentren. Wessen Corona-Warnapp ein erhöhtes Risiko anzeigt, muss seinen PCR-Test nicht selbst bezahlen. Gleiches gilt für Personen, die vom Gesundheitsamt oder von den behandelnden Ärzten offiziell als Kontaktpersonen festgestellt wurden und auch für Transferleistungsempfänger, die aus medizinischen Gründen nicht geimpft werden können, aber einen negativen PCR-Test für die Teilhabe unter 2G-Bedingung brauchen.

Allerdings: Es gibt nur elf landeseigene Testzentren im ganzen Berliner Stadtgebiet. Diese testen auch nur Personen ohne Symptome. Wer hingegen Corona-Symptome wie Fieber oder Schnupfen hat, kann laut Kassenärztlicher Vereinigung einen kostenlosen Schnelltest bei den von ihr aufgelisteten 44 Covid-19-Praxen bekommen.

Dort geht es wiederum höchst unterschiedlich zu: Manche vergeben Termine nur an Patienten mit Symptomen und überprüfen keine positiven Schnelltestergebnisse bei Patienten ohne Symptomen. Andere Praxen geben kostenfreie Tests für asymptomatische Rückkehrer aus Risikogebieten nur für eigene Patienten. Wer nicht zum Kreis der Stamm-Patienten gehört, muss zahlen.

Hinzu kommen weitere Hausarztpraxen, die nicht von der KV aufgeführt sind und ebenfalls PCR-Tests durchführen. In gewerblichen Testzentren kosten PCR-Tests zwischen 40 und 100 Euro.

Die Sprecherin der Gesundheitssenatorin wies darauf hin, dass man sich mit dem MPK-Beschluss auch mit zertifizierten Schnelltests an den Teststellen freitesten könne – außer im kritischen Bereich der Heime und Krankenhäuser. Zudem müssten „Geboosterte“ als Kontaktpersonen nicht mehr in Quarantäne. Das beides werde den Druck auf die kostenfreien PCR-Stationen voraussichtlich verringern.