Viele Eltern fühlen sich vom Staat derzeit allein gelassen.
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BerlinEs ist schon sehr traurig, dass ausgerechnet die teilweise Wiedereröffnung der Schulen und Kitas in Berlin für mehr Frust sorgt, als die vorherige achtwöchige Schließung. Für die bisherigen Schritte gab es bei den Eltern mehrheitlich Verständnis. Doch das ist nun vorbei.

Denn es gibt reichlich Grundschüler, die werden nun nur an einem Tag pro Woche unterrichtet, und auch die Kita-Kinder werden künftig nicht voll betreut. Es gibt also kaum Gewinner bei der Regelung: Denn die Kinder von systemrelevanten Eltern wurden bislang in der Kita acht Stunden betreut. Das wird nun kaum noch möglich sein. Und auch die Kinder der anderen Eltern werden nur vier Stunden betreut.

Damit gibt es kaum Eltern, die wieder regulär arbeiten können. Und so befürchten zum Beispiel systemrelevante Lehrer, dass sie nicht mehr unterrichten können, weil ihre Kinder in der Kita nicht mehr so lange betreut werden wie bisher.

Damit steigt der Frust – auf die Verwaltung und auf einen scheinbar wenig handlungsfähigen Staat. Dieser Verdruss sollte den Staat alarmieren. Warum wird nicht kreativ gedacht? Warum wird nicht die schöne alte Idee vom Erziehungsurlaub wiederbelebt? Natürlich nur coronabedingt und auch nur kurzzeitig.

Warum stellt der Staat nicht jene arbeitenden Eltern offiziell frei, deren Kinder nicht so lange betreut werden können, dass die Eltern arbeiten können? Die Kinder würden es dem Staat danken.

Der Staat sollte nicht länger zuschauen, wie ein halbes Jahr lang so viele Erziehungschancen verspielt werden. Ein halbes Jahr klingt für Erwachsene nicht allzu lang. Doch bei einem sechsjährigen Kind ist ein halbes Jahr ein gewaltiger Zeitraum. Auch bei einem Zehnjährigen.