Gondeln der Seilbahn in Marzahn-Hellersdorf.
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BerlinIn Berlin ist die Seilbahneuphorie ausgebrochen – wieder mal! Neue Vorschläge, wo Pfeiler aufgestellt und Stahlseile gezogen werden sollten, regen die Vorstellungskraft an. Im Südosten Berlins sollen Gondeln Badelustige zur Bammelecke bei Grünau befördern. Im Nordosten Berlins könnten sie die Bewohner der Neubaugebiets nach Hause bringen – was den Autoverkehr in Ruhe lassen und Anwohnern ersparen würde, dass eine Straßenbahn durch ihrer Siedlung fährt. Schon sind weitere mögliche Strecken ins Gespräch, zum Beispiel von Wannsee nach Kladow.  Dabei liegen aus der Vergangenheit noch diverse andere Ideen auf dem Tisch. Doch aus den Plänen, Seilbahnen vom Zoo zum Potsdamer Platz oder vom Leipziger Platz zum Spreebogen zu bauen, wurde nichts. Und das ist auch kein Wunder.

Anders als in bergigen südamerikanischen Städten würden Seilbahnen in Berlin keine Verkehrsbedürfnisse befriedigen, die sich nicht besser mit jetzigen Verkehrsmitteln befriedigen ließen. Sie werden so dringend gebraucht wie die vor vielen Jahren debattierten Wassertaxis auf der Spree.  Während Bahn- und Buslinien quer durch die Stadt führen und eine Vielzahl von Verbindungen ermöglichen, müssten Seilbahnen technisch bedingt auf relativ kurze Entfernungen beschränkt bleiben,  was in vielen Fällen Umsteigen erfordert.  

So notwendig wie ein Wassertaxi auf der Spree

Seilbahnen als Teil des öffentlichen Nahverkehrs wären in Berlin teure Exoten, die metropolenspezifische Fragen aufwerfen würden. Etwa die nach der Sicherheit: Wer in einer abgeschlossenen, beengten Seilbahnkabine auch nur wenige Minuten in Tuchfühlung mit jenem Publikum verbringen muss, das in Berlin nun mal  auch zum Nahverkehr gehört, wird sich danach  fürs Auto entscheiden.