Berlin - Notarzteinsätze, Personen am Gleis, Müll auf den Schienen: Die Berliner S-Bahn wird immer häufiger durch äußere Einflüsse aufgehalten oder zeitweise lahm gelegt. Das zeigt einer neue Statistik aus dem Tochterunternehmen der Deutschen Bahn (DB). Danach gab es in diesem Jahr bisher 2120 Fremdeinwirkungen, die den Betrieb störten. Im Vergleich zum selben Zeitraum des Jahres 2018 ist das ein Anstieg um rund elf Prozent. Damals hatte die S-Bahn 1909 solcher Störungen registriert.

„Es gibt Menschen, die meinen, ihre Notdurft im Gleis verrichten zu müssen. Und manchmal gibt es bedauerliche Unfälle“, sagte Alexander Kaczmarek, der DB-Konzernbevollmächtigte für Berlin, am Donnerstag. 

„Die Zahl der Fremdeinwirkungen können wir nicht beeinflussen, das Ausmaß der Folgen dagegen schon.“ Darüber werde jetzt mit der Bundespolizei und der Feuerwehr gesprochen. „Die Sicherheit hat in jedem Fall Vorrang. Aber manche Verfahren kann man optimieren.“

Wenn ein Fahrgast kollabiert und nicht mehr laufen kann, bleibt die S-Bahn so lange stehen, bis die Feuerwehr vor Ort ist, so Kaczmarek. Wie lange der Stillstand dauert, hänge auch davon ab, welche Wache zuständig ist. Solche Zuordnungen seien ein Thema der Gespräche.

Zahl der Zugausfälle bei der S-Bahn nahm um 33 Prozent ab 

Es gehe auch darum, ob Streckenabschnitte in jedem Fall gesperrt werden müssen, wenn jemand einen Menschen am Gleis gesehen hat. In bestimmten Fällen könnte es möglich sein, den S-Bahn-Betrieb aufrechtzuerhalten – mit „Fahren auf Sicht“ und gedrosseltem Tempo.

Trotz äußerer Einflüsse hat es die S-Bahn geschafft, Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit zu steigern, meldete der DB-Manager. In diesem Jahr wurden bislang 96,26 Prozent der S-Bahn-Fahrten als pünktlich registriert – was bedeutet, dass sie exakt laut Plan oder höchstens drei Minuten und 59 Sekunden verspätet stattfanden. Damit liegt der Anteil über der Mindestquote von 96 Prozent, die mit dem Land Berlin vereinbart worden ist. Im Vergleich zum selben Zeitraum des Vorjahres ist er fast anderthalb Prozentpunkte höher.

Weitere Zahlen zeigen, wie sich die Teilnetze der Berliner S-Bahn entwickelt haben. Galten im zweiten Halbjahr 2017 nur 92,6 Prozent der Fahrten auf den Stadtbahn-Linien als pünktlich, so waren es im Juli und August dieses Jahres 96,9 Prozent. Auf dem Ring stieg die Pünktlichkeitsquote in diesem Zeitraum von 92,7 auf 97 Prozent, auf den Nordsüd-Linien von 95,6 auf 96,7 Prozent.

In großem Umfang steuerbar ist auch die Zuverlässigkeit. Die Zahl der Zugausfälle nahm bei der S-Bahn um 33 Prozent ab, so Kaczmarek. Die Zahl der Fahrzeugstörungen sank um 23 Prozent – von 3740 auf 2885. Bei der Leit- und Sicherungstechnik, für die DB Netz zuständig ist, gingen die Störungen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um zwölf Prozent zurück – von 1 132 auf 998, hieß es.

Graffitiblocker an S-Bahnhöfen geplant 

Die Qualitätsoffensive, die im Juli des vergangenen Jahres begonnen hat, zeige Wirkung, sagte S-Bahn-Chef Peter Buchner. Unter anderem wurde Fahrpersonal eingestellt. Seit Anfang 2016 schlossen 373 Bewerberinnen und Bewerber ihre Ausbildung erfolgreich ab, davon 59 in diesem Jahr.

Neue Technik werde eingesetzt, sagte Dominik Schäfer von der S-Bahn. So werden Sitzpolster nun mit Dampfdruckreinigern von Schmutz gesäubert - regelmäßig alle sechs Monate. 120 Grad heißer Wasserdampf rückt Keimen zu Leibe, Reinigungsmittel und andere Chemie sind nicht mehr erforderlich. Anschließend wird die Feuchtigkeit wieder herausgesagt. Im Vergleich zu früher, als die Sitze nach dem Reinigen lange trocknen müssen, sei das neue Verfahren ein Fortschritt, so der S-Bahner.

Auch zur Graffitibekämpfung geht das Unternehmen nun andere Wege. In diesem Jahr sollen in 22 S-Bahnhöfen insgesamt 10.000 Quadratmeter Fläche mit dem Graffitiblocker des Herstellers Dafasan beschichtet werden, sagte Julian Bartilla von der S-Bahn. Auch bei diesem Verfahren spielt Chemie bei der Reinigung keine Rolle mehr: "Um Farbschmierereien zu entfernen, genügen ein Lappen und Wasser."