Berlin - Manchmal braucht es Jahrzehnte bevor sich der wahre Wert eines Politikers erschließt. Bei Horst Seehofer etwa dachten ja viele: Was macht der Mann eigentlich noch in Berlin? Manche hatten gar den Eindruck, er könne mit dem Innen-, Bau und Heimat-Ministerium, schlicht überfordert sein. Er kündigte vollmundig einen Masterplan an, verhedderte sich dann aber vor allem in Streitigkeiten mit der Kanzlerin und äußerte kindlich-brutale Freude darüber, dass ausgerechnet an seinem 69. Geburtstag 69 Asylbewerber abgeschoben wurden.

Als Seehofer kürzlich erklärte, dass er einem nächsten Kabinett nicht mehr angehören wolle, war das für viele ein Grund mehr, für das baldige Ende der großen Koalition zu beten. Doch nun wünscht man sich doch, dass es vielleicht noch einen Tick länger dauern möge mit dem Grusel-Kabinett. Und bis dahin soll Horst Seehofer bitte noch viele Interviews geben.

Denn der bald 70-Jährige erzählt nun frank und frei wie das so geht in der Politik. Gesetze etwa würden extra kompliziert gemacht, weil es dann niemanden so recht auffalle, was drinstehe.

Das Video des Interviews, in dem er das mit verschmitztem Lächeln erzählt, wurde im Internet schon hunderttausendfach aufgerufen. Es ist ein ebenso faszinierender wie abstoßender Einblick ins Innenleben der Macht, wie man das gerne nennt. Von einem, der schon an deren Rand steht und vieles auch nicht mehr so richtig zu begreifen scheint.

Der jetzt aber mal von den alten Tricks und Kniffen erzählen will. Wir wollen noch mehr hören! Und dann bitte doch eine neue Regierung. Mit den Grünen wird’s weniger lustig werden, aber seriöser. Hätte man vor Jahren auch nicht gedacht.