Berlin - Nein, die Sache hat sich nicht erledigt. Im Berliner Parlaments- und Regierungsviertel sind zwar nach dem Umzugsbeschluss des Bundestags vor rund 30 Jahren die Bauten für die Politik wie geplant errichtet worden, und es entstehen sogar immer weitere Büros für den wachsenden Bundestag, doch eine Aufgabe ist seit den 1990er-Jahren unerledigt geblieben: der Bau des Bürgerforums, das nach dem preisgekrönten Entwurf der Architekten Charlotte Frank und Axel Schultes zwischen dem Bundeskanzleramt und dem Paul-Löbe-Haus des Bundestags geplant war.

Die Idee ist weiterhin überzeugend. Die Polarisierung in wichtigen gesellschaftlichen Fragen, wie der Corona-Krise oder der Klimakrise, zeigt ganz aktuell, dass der Redebedarf eher größer als kleiner wird. Ein Bürgerforum könnte zu einem Ort des demokratischen Diskurses werden, in dem – anders als sonst im Parlaments- und Regierungsviertel – die Bürger die Tagesordnung und die Gästeliste bestimmen. Im Sinne einer offenen Gesellschaft, die sich an die Prinzipien von Freiheit und Demokratie hält, versteht sich.

Ein Platz für Nichtregierungsorganisationen

Hier, mitten im Parlaments- und Regierungsviertel, wäre auch der geeignete Platz für Nichtregierungsorganisationen wie Transparency International oder Lobby Control, die den Mächtigen auf die Finger schauen und Verflechtungen zwischen Politik und Wirtschaft aufdecken. Die Errichtung eines solchen Bürgerforums wäre ein Signal der Politik an die Bewohner dieses Landes, dass sie einen dauerhaften Platz im Parlaments- und Regierungsviertel haben – unabhängig von Besichtigungstouren und Tagen der offenen Tür.

Städtebaulich würde zudem mit dem Bau des Bürgerforums ein Lückenschluss vollzogen, der von geschichtlicher Bedeutung ist. Durchkreuzt das Band des Bundes damit doch die einst von Albert Speer erdachte Achsenplanung. Alleine diese Symbolik wäre es wert, das Projekt zu realisieren.