Berlin - Die Nachricht mutete ziemlich bizarr an. In Tegel sollte ein neues Terminal errichtet werden – für die Flugbereitschaft des Verteidigungsministeriums. Das Gebäude auf dem militärischen Teil des Flughafengeländes sollte der Hubschrauberstaffel dienen, die dort noch einige Jahre stationiert ist. Der Bund der Steuerzahler, die FDP und andere Akteure befürchteten eine millionenschwere Geldverschwendung und protestierten. Doch nun hat im Ministerium von Annegret Kamp-Karrenbauer (CDU) offenbar ein Umdenken eingesetzt. Eine Sprecherin teilte dem Bund der Steuerzahler mit, dass die bisherige Planung  „ganz weitgehend obsolet“ sei. „Richtig so“, sagte Reiner Holznagel, der Präsident des Verbands. „Ein Eintrag im nächsten Schwarzbuch wäre sonst sicher.“

Berlin hat große Pläne für das Tegeler Flughafengelände. Wo noch bis zum 8. November des vergangenen Jahres Flugzeuge starteten und landeten, sollen ein Forschungs- und Technologiepark, mehrere Tausend Wohnungen und Grünflächen entstehen. Noch gilt das Areal rechtlich als Flughafen, damit es genutzt werden kann, falls es am BER Probleme gibt. Doch zum 5. Mai erlischt die Betriebspflicht. Dann ist in Tegel kein Luftverkehr mehr möglich, und die städtebauliche Entwicklung kann beginnen.

Tegel Nord kostet jährlich mehr als fünf Millionen Euro - für drei Helikopter

Anders verhält es sich mit dem militärischen Bereich, der im Norden an das Tegeler Flughafengelände anschließt. Die militärische Liegenschaft Tegel Nord bleibt in Betrieb, für die Flugbereitschaft des Verteidigungsministeriums. Zwar steuern die elf Airbusse und sieben Bombardier-Global-Jets inzwischen den neuen Flughafen BER in Schönefeld an, wo für die Regierung für 70 Millionen Euro ein Interimsterminal errichtet worden ist.

Doch die drei Hubschrauber vom Typ AS 532 U2 Cougar nutzen weiterhin Tegel Nord – auf der Grundlage einer sogenannten Außenlandeerlaubnis. Die jährlichen Kosten für die Liegenschaft sind erheblich. So werden für die Miete 2,2 Millionen Euro laut Bund pro Jahr fällig, Absicherung und Bewachung kosten 2,4 Millionen. Die Betriebskosten  belaufen sich auf 320 000 Euro, die Ausgaben für den Bauunterhalt auf 240 000 Euro – ebenfalls pro Jahr. In Tegel Nord wollte der Bund bauen, hieß es noch vor einem Monat. 

Die meisten der bisher genutzten Gebäude in Tegel Nord „können nicht mehr wirtschaftlich saniert werden“, teilte das Ministerium am 25. Februar auf Anfrage des Berliner FDP-Bundestagsabgeordneten Christoph Meyer und anderer Freidemokraten hin mit. „Ein als Ersatz geplanter Interimsbau soll den Weiterbetrieb der Liegenschaft sicherstellen“, so der Bund weiter – ohne Kosten zu nennen. Er ließ auch erkennen, dass der Hubschrauberbetrieb in Tegel länger andauern werde. Zwar endet die Erlaubnis 2029, doch möglicherweise sei eine Verlängerung erforderlich. Denn die komplette Verlegung der Flugbereitschaft hänge davon ab, wann die notwendige Infrastruktur verfügbar sei. Die Voraussetzungen für einen vollständigen Umzug zum BER lägen „nach heutigem Stand nicht vor 2032 vor“, teilte die Bundesregierung Ende Februar weiter mit.

Tausende Leerflüge zwischen Köln/ Bonn und Schönefeld

Der Bund der Steuerzahler protestierte – mit Erfolg. Die Antwort, die der Verband Mitte März vom Verteidigungsministerium bekam, lässt einen Schwenk erkennen. Inzwischen hätten die betroffenen Ressorts und das Bundeskanzleramt miteinander gesprochen, teilte eine Sprecherin mit. Dabei sei deutlich gemacht worden, dass „nunmehr alle Kräfte und Möglichkeiten genutzt werden sollen, um den vollständigen Umzug der Flugbereitschaft an den Standort BER/ Schönefeld umgehend zu beschleunigen“, berichtete sie. Planungen für einen schnellen Umzug von Tegel dorthin würden „intensiv geprüft und so weit möglich schnell umgesetzt“. Dies werde die kritisierten Planungen für Tegel Nord „ganz weitgehend obsolet machen“, so die Sprecherin weiter.

Reiner Holznagel begrüßte die Pläne, die Regierungsflotte zügig zu verlegen. „Es ist gut, dass die Regierung endlich umdenkt und jetzt einen möglichst schnellen und vollständigen Umzug der Flugbereitschaft zum BER einleitet – und nicht erst 2032“, teilte der Steuerzahler-Präsident der Berliner Zeitung mit. „Das erspart den Steuerzahlern viele Millionen Euro, weil dann Tausende Leerflüge und teure Betriebskosten für die Standorte Köln/Bonn und Berlin-Tegel wegfallen.“ Damit spielte Holznagel darauf an, dass die Flugzeuge derzeit noch in Köln/ Bonn stationiert sind und von dort leer nach Berlin fliegen, um dort Passagiere aufzunehmen.

„Ohne Frage“, so Holznagel. Das Interimsterminal in Schönefeld habe „Defizite, weil die Truppe der Flugbereitschaft mit 1200 Dienstposten samt Fluggeräten, 18 Flugzeugen und drei Hubschraubern, dort nicht vollständig Platz findet“. Doch das rechtfertige keinen „protzigen Neubau“ Deshalb müsse der Bund nun auch prüfen, ob er auf den geplanten repräsentativen Neubau des Regierungsflughafens am BER komplett verzichten kann, forderte der Steuerzahler-Präsident. Die Anlage, die das Interimsterminal ersetzen soll, werde mindestens 350 Millionen Euro kosten.

„Statt eines teuren Neubaus sollte die Regierung dringend ein Upgrade des frisch eingeweihten Interimsterminals checken, sodass die gesamte Truppe und Flugstaffel der Flugbereitschaft am jetzigen Terminal Platz finden“, verlangte Holznagel. „Diese Variante geht schneller und kostet weniger Steuergeld.“