Bis zu den Paralympics 2023 soll im Prenzlauer Berg ein neues Stadion gebaut werden.
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BerlinDer Frühling naht. Vielleicht werde ich bald mal wieder joggen gehen. In der Nähe gibt es eine Tartanbahn und eine von alten Pappeln umstandene Wiese, die man auch umrunden kann. Ein wunderbarer Ort im dicht besiedelten Prenzlauer Berg. Aber die Idylle ist bedroht.

Ein Freund und Nachbar schickte mir eine Nachricht. Ich soll seine Petition unterschreiben: „Keine Rodung im Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark!“ Bäume und Wiese kommen weg, aber warum? Da soll ein Fitnesspark hin. Oder ein Parkhaus? Eine Turnhalle mit zwei Etagen? Drei neue Beachvolleyballfelder, fünf neue Tennisplätze?

Neubau des Stadions notwendig

Ich sehe nicht mehr durch. Ich fürchte mit ihm um Wiese und die Pappeln, lese mich in die Materie ein und fühle mich sehr an ein anderes Berliner Großprojekt erinnert. Ich fasse hiermit meine Recherchen zusammen: Das alte Stadion gilt als marode, die Betriebserlaubnis läuft im Juni diesen Jahres aus.

Berlin hat den Zuschlag für die Ausrichtung der Paralympics 2023 erhalten, unter anderem weil im Antrag, ein behindertengerecht umgebautes und inklusionssportgeeignetes Jahn-Stadion stand. Bei Antragstellung ging man aber noch von einem Umbau aus. Nachdem man den Zuschlag erhalten hatte, wurde bemerkt, dass aufgrund von Altlasten im Boden, ein Neubau notwendig sei. Was eine immense Kostensteigerung zur Folge hatte. Die aufgrund von politischen Querelen mit der CDU, erstmal nicht vom grünen Finanzsenator Dirk Behrendt genehmigt wurde.

Zeit wird knapp, Kosten explodieren

Dadurch verschob sich die Planung und die Zeit wurde knapp. Bis zu den Paralympics 2023 müsste das neue Stadion mitsamt entsprechendem Sportpark ja fertig sein. Der Bezirk Pankow sieht sich aufgrund von Personalmangel außerstande, bis zum geplanten Abrissbeginn des alten Stadions im Sommer, einen Bebauungsplan zu erstellen und hat die Hoheit deswegen an den Senat abgegeben.

Der Senat wollte den Neubau als „Ersatzbau“ deklarieren lassen, um eine schnellere Planung (ohne Bürgerbeteiligung) durchzubekommen, ruderte dann nach Anwohnerprotesten aber zurück. Bis zum 28.2. kann man auf mein-berlin.de an einer Umfrage zum Thema teilnehmen. Die Zeit wird immer knapper, die Kosten explodieren und was nun eigentlich wohin gebaut werden soll und von wem, das weiß bisher auch noch keiner.

Senat verweigert Mobilitätskonzept

Die Anwohner klagen jetzt schon, über zu viel Verkehr bei Fußballspielen oder Großveranstaltungen in der Max-Schmeling-Halle. Ein extra Parkhaus wäre keine Lösung, sagen sie, sondern noch mehr Autoverkehr anziehen, besser wäre eine höhere Taktung des ÖPNV.

Ein Mobilitätskonzept hat der Senat bisher verweigert, das sei ja nicht nötig, weil ja kein Neubau, sondern Ersatzbau“. Übrigens: Die bisherigen Planungen fußen auf einer Machbarkeitsstudie von 2014, die mittlerweile aber überholt ist. Mein Fazit? Petition unterschreiben und joggen gehen!