Warum es uns Berlinern so schwerfällt, das Licht auszumachen

Wir wissen, dass es Lichtverschmutzung gibt. Aber ist eine Großstadt ohne nächtliche Beleuchtung noch eine Großstadt?

Das Brandenburger Tor nachts ohne Beleuchtung?
Das Brandenburger Tor nachts ohne Beleuchtung?imago/epd

An oder aus? Eine einfache Frage, die fast jeder schon mal irgendwem gestellt haben dürfte. Soll das Licht eingeschaltet bleiben oder nicht? Aufgrund des Weltgeschehens ist daraus mittlerweile eine mindestens moralische Frage geworden, insbesondere bei der Beleuchtung von Gebäuden des öffentlichen Dienstes oder Sehenswürdigkeiten – auch wenn niemand so genau zu wissen scheint, welche tatsächlichen Einspareffekte erzielt werden können, sobald das Licht dort erlischt. Auch Bürogebäude erstrahlen nachts mancherorts in grell-unpersönlichem Lichtschein.

Strom nicht zu verschwenden, sollte eigentlich selbstverständlich und nicht erst angesagt sein, wenn es mit der Energieversorgung Spitz auf Knopf steht. Aber wie es mit den Selbstverständlichkeiten eben so ist: Vor zwei Jahren mussten auch erstaunlich viele Erwachsene lernen, dass es hygienischer ist, in die Armbeuge statt in die Hand zu husten oder zu niesen. Das haben sie inzwischen allerdings wieder vergessen. Und so benehmen wir uns natürlich auch mit der Energie. Da bleibt das Licht schon mal im Nebenzimmer eingeschaltet, das wir längst verlassen haben. Und dazu läuft das Radio.

Als wir im Kindesalter aus dem Urlaub zurück und Berlin immer näher kamen, war bald eine helle Kuppel in der Ferne zu sehen. Da war sie, die Großstadt, deren Strahlen den Weg wies wie ein Leuchtturm auf der See. Ist das noch eine Metropole, wenn sie nachts nicht mehr strahlt? Die Antwort muss wohl lauten: Die Verschwendung von Ressourcen, nur um sich ins buchstäblich rechte Licht zu setzen, kann nicht im Interesse einer modernen Stadt sein.

Die sogenannte Lichtverschmutzung, die Aufhellung des Nachthimmels durch künstliches Licht, nimmt trotzdem stetig zu – und wir alle machen eifrig mit beim unsinnigen Verbrauch von Strom und Energie. Auf zahllosen Balkonen brennen Lichterketten die Nächte selbst dann hindurch, wenn dort niemand sitzt. Auch mit Zeitschaltuhren ist es so ein Ding: Ursprünglich soll das auf eine bestimmte Uhrzeit programmierte Erleuchten ja nützlich sein, doch an manchen Häusern, deren Eingänge mit Lampen ausgestattet sind, brennen derzeit abends schon um kurz nach acht die Glühbirnen, obwohl es noch gar nicht dunkel, im Gegenteil sogar noch hell genug zum Lesen ist.

„Der Herr sprach: Es werde Licht“, heißt es in der Genesis, der Schöpfungsgeschichte der Bibel. Vielleicht sind die Schaukästen vor zahlreichen kirchlichen Gemeindehäusern genau deshalb nachts beleuchtet? Wer macht nicht gerne nachts um drei vor einer kirchlichen Einrichtung Halt, um sich über Bibelverse oder die anstehenden Aktivitäten der Gemeinde zu informieren?