Berlin - Die Sache mit den Bierflaschen ist so eine Sache. Leute mit einem gewissen Anspruch trinken möglichst nicht aus Dosen. Die Blechdinger stehen nun mal bei der Ökobilanz ganz hinten und gelten als dreimal klimaschädlicher als Mehrwegflaschen. Und ganz ehrlich: Bier aus Glas schmeckt auch viel besser.

Der große Nachteil: Glas geht schneller kaputt. Flaschen werden zu Scherben – und die bringen kein Glück. Ich bin ein freiwilliger Scherben-zur-Seite-Schieber. Nicht erst seit wir ein Kind haben, ist der Blick auf die Fußwege dieser Stadt ein anderer. Kleinkinder haben nun mal die Angewohnheit, beim Laufenlernen oft hinzufallen. Und wer will schon, dass die Hände des Kindes in Hundekacke tauchen oder von einer Scherbe durchbohrt werden.

Bei mir war es schon vorher so: Vor vielen Jahren ist mal ein Freund auf einem Bahnhof auf dem Balkan gestolpert und hat sich die Innenfläche der Hand an einer großen Scherbe aufgeschnitten. Wir mussten in den abgelegenen Bergen spät abends ein Krankenhaus finden, wo ein sehr freundlicher Arzt mit Zigarette im Mundwinkel die Wunde nähte. Für den Freund war die Bergtour gelaufen. Seither schiebe ich Scherben weg.

In Berlin wäre das ein Vollzeitjob. Es gibt einfach zu viele Ignoranten, denen zufälligerweise eine Flasche aus der Hand fällt. Das ist eine typische Großstadtkrankheit, die allerdings meist nur Männer befällt. Neulich lief einer mit zwei Papiertüten über die Straße zu seinem Auto. Eine Tüte riss, und die Flaschen fielen auf die Straße. Er fluchte, ließ sie aber liegen und fuhr ganz schnell davon.

Zwei Tage später radelte ein junger Mann auf dem Bürgersteig. Einhändig. Mit der anderen Hand musste er seine Bierflasche halten, aus der er trank, während er die Leute im Straßencafé umkurvte. Dabei war er etwas ungeschickt, das Vorderrad verkantete kurz, und er wäre fast gestürzt. Aus seinem Fahrradkorb hüpfte eine Flasche und zerschellte.

Eine Frau sprang auf und rief: „Ey, du Trottel. Komm sofort zurück und heb das auf.“ Ihr Ton war so scharf wie der einer sehr strengen Schuldirektorin. Der junge Mann hielt tatsächlich an. Er drehte sich um, schaute demonstrativ auf seine Uhr und rief: „Ich hab’s leider eilig. Ich komme nachher zurück und räume alles weg.“ Dann raste er mit dem Rad los, bevor ihn die Frau erwischen konnte.