Zivilschutzsirenen auf Dächern existieren in Berlin kaum noch.
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BerlinDer 10. September ist in diesem Jahr ein sehr spezieller Tag: er ist nationaler Warntag. Das klingt erst einmal irritierend, ist aber folgerichtig. Denn die Zeiten, in denen die Feuerwehrsirenen heulten, sind längst vorbei. Heute dominieren auch bei den Rettungskräften Handys. Trotzdem gibt es nun den ersten bundesweiten Warntag.

Am Donnerstag 11 Uhr wurde flächendeckend von der nationalen Warnzentrale des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz ein Probealarm ausgelöst – über Sirenen, Warn-Apps, Radio- und Fernsehsender.

Doch in Berlin blieb es draußen still. Zwar wurde der Alarm über Warn-Apps und ähnliches weitergeleitet, „doch Sirenenalarm gibt es nicht“, sagte Martin Pallgen, Sprecher des Innensenators. In Berlin gibt es seit den 90er Jahren keine Zivilschutzsirenen mehr. Der Grund: Berlin ist zu dicht besiedelt, und eine Sirene aus einem Bezirk wäre noch in einem anderen zu hören, deshalb könne nicht lokal gewarnt werden.

Der Hintergrund für den Warntag ist, dass der Bund und die Länder 2019 beschlossen, ab diesem Jahr an jedem zweiten Donnerstag im September diesen Tag durchzuführen. Einerseits soll die Bevölkerung sensibilisiert werden für mögliche Unglücksfälle und Katastrophen wie schwere Unfälle, Hochwasser oder Waldbrände. Die Idee dahinter: Wer Bescheid weiß, was die Sirenentöne bedeuten, kann sich besser und schneller schützen. Andererseits soll kontrolliert werden, ob alle analogen und digitalen Warn-Mittel in Notfall gut funktionieren.

Berlins Innensenator Andreas Geisel (SPD) sagte, dass sich Berlin am Warntag beteiligt. „Insbesondere bei unvorhergesehenen Ereignissen, wie Großbränden oder weiträumigen Stromausfällen, sind schnelle und vor allem verlässliche Informationen und Warnungen unerlässlich.“ In Berlin können Warnungen im Ernstfall von der Polizei, der Feuerwehr oder der Senatsinnenverwaltung ausgelöst werden. Das kann über das Radio, übers Fernsehen, über Lautsprecherwagen oder Apps erfolgen, aber in Berlin eben nicht über Sirenen. Weil der Kalte Krieg beendet war und kein kriegerischer Angriff mehr drohte, glaubten die Behörden, dass der Grund für generelle Warnungen entfallen war.

Dabei gelten Sirenen als „Warnmittel mit Weckeffekt“. Deshalb hat heute bundesweit ab 11 Uhr möglichst überall ein auf- und abschwellender Heulton auf eine Gefahr hingewiesen. Dann sollten die Bürger ihr Radio anschalten oder sich im Internet informieren. Auch die WarnApp des Bundes namens NINA versandte eine Nachricht. Als Entwarnung sollte  um 11.20 Uhr ein einminütiger Dauerton erklingen - aber nur dort, wo es Sirenen gibt. Oder es wird wie in Berlin eine Entwarungsnachricht über die App verschickt. Der Nachteil bei der Alarmierung per App ist natürlich, dass man sich die App erst aufs Handy geladen haben muss.

Schon seit Jahren gibt es Kritik daran, dass die Sirenen in Berlin nach dem Ende des Kalten Krieges abgeschafft wurden. Denn es gibt auch viele Leute, die nicht den ganzen Tag das Radio anhaben oder die die Warn-App nicht auf dem Handy haben, oder die Pendler sind. All die wären zum Beispiel bei einem massiven Stromausfall nicht informiert. Skurril wurde es etwa im Februar vergangenen Jahres, als in Köpenick mehr als 30.000 Haushalte bis zu 31 Stunden lang keinen Strom hatten, weil bei Bauarbeiten wwei Hauptkabel durchtrennt worden waren. Per Warnapp NINA wurde den Betroffenen empfohlen, Radio und Fernseher einzuschalten.

Früher war Sirenenalarm üblich. In der DDR war es zum Beispiel so, dass jeden Mittwoch um 13 Uhr alle Sirenen im Land heulten. Die klassische Sirenenwarnung stammt noch aus den Zeiten des Zweiten Weltkriegs. Damals wurde mit den Sirenen der Luftalarm ausgelöst und anschließend Entwarnung gegeben, wenn die feindlichen Luftangriffe vorbei waren.

Nach dem Krieg gab es dann verschiedenen Sirenen-Töne für Feueralarm, Katastrophenalarm oder ABC-Alarm, also wenn die Gefahr von atomaren, biologischen oder chemischen Explosionen ausgeht.

Wie das Brandenburger Bunkermuseum Fuchsbau bei Bad Saarow mitteilt, wurde der Alarm in der DDR mittwochs immer zentral ausgelöst. Das ist weitgehend unbekannt. In dem einstigen militärischen Gefechtsstand gab es eine „Warn- und Alarmzentrale“ (WAZ), die seit dem 5. Mai 1971 den Alarm zentral steuerte. Die Signalauslösung wurde in die damaligen Bezirksstädte übermittelt und dann an alle Sirenen weitergeleitet.