Sagte gegen seinen ehemaligen Geschäftspartner aus: Der Berliner Rapper Bushido.
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BerlinDer Vorsitzende Richter Martin Mrosk  wies mit seiner Hand zu einem Tisch in der Mitte des Saales: „Herr Ferchichi, Sie wieder als Zeuge.“ Zum dritten Mal trat der Berliner Rapper in den Zeugenstand im Prozess gegen Arafat Abou Chaker und seine Brüder Nasser, Yasser und Rommel. Ihnen wird vorgeworfen, Bushido, so der Künstlername Ferchichis, im Winter 2018 beleidigt, genötigt, verletzt und seiner Freiheit beraubt sowie dessen Geld veruntreut zu haben.  

Am fünften Verhandlungstag begann Bushido nun, über die Zeit ab Juni 2004 zu berichten, dem Zeitpunkt, an dem Arafat Abou Chaker ihn dazu gepresst haben soll, ihm 30 Prozent sämtlicher Einnahmen zu geben.

Bushido stand kurz vor einem Vertragsabsschluss mit Universal. Er hatte einen Anwalt, der ihn gut beriet, und auch einen Steuerberater. Mit seinem Label Ersguterjunge produzierte er die Alben „Electro Ghetto“, „Staatsfeind Nr. 1“ und „Von der Skyline zum Bordstein zurück“. Mit Arafat Abou Chaker habe er sich regelmäßig im Café von dessen Bruder getroffen, Karten gespielt und Wasserpfeife geraucht – als Manager habe der Clanchef damals nicht agiert. Er sei zwar zu großen Veranstaltungen mitgekommen, wenn es einen roten Teppich gab und „es um Alkohol, Spaßhaben und Frauen-Kennenlernen ging“. Auf Touren sei er nicht mitgekommen.

Er war auch nicht dabei, als Bushido in Österreich in eine „körperliche Auseinandersetzung und schließlich für 14 Tage in Haft geriet, die er nur gegen Kaution verlassen durfte. Um dennoch seine Mutter an ihrem 55. Geburtstag mit 55 Rosen zu überraschen, verstieß er gegen die ihm gemachten Auflagen. Als der Rapper dem Gericht schilderte, dass das Geburtstagskind keine Vase für seinen Riesenstrauß besaß, musste er innehalten, offenbar bewegt ob der Erinnerung an seine Mutter.

Die Ehe von Arafat Abou Chaker sei dann gescheitert. Er habe mehr Zeit gehabt und den Musiker auch zu einer Vertragsverhandlung bei Universal begleitet. In unregelmäßigen Abständen habe Bushido ihn ausgezahlt. Einmal sei es zu einem Streit gekommen: Arafat Abou Chaker sei „todessauer“ gewesen, weil Bushido ihm einen Zahlungseingang nicht sofort gemeldet hatte. Er ließ sich daraufhin die PIN von Bushidos Konto geben und habe sich fortan selbst seinen Anteil abgehoben.

Der Rapper wurde zunehmend erfolgreicher, er hatte Betriebsausgaben für Mitarbeiter und Album-Produktionen zu zahlen. Darum fiel Bushidos Beratern auf, dass sein Konto ständig abgeräumt wurde: Der Clanchef habe 30 Prozent aller eingehenden Zahlungen begehrt – ohne die vorher entstandenen Kosten abzuziehen. „Ich weiß, es gibt jemand, der bekommt Geld von dir“, habe Bushidos Anwalt zu ihm gesagt. Er drängte darauf, mit dieser Person einen offiziellen Vertrag abzuschließen. Arafat Abou Chaker habe sich dagegen gewehrt, er bekäme dann kein Wohngeld mehr, berichtete der Rapper im Zeugenstand.

Am 30. Januar 2007 schloss er schließlich einen Management-Vertrag mit dem Clanchef ab. Zwei Monate später wurde dieser auch noch Mitgesellschafter beim Label Ersguterjunge. Er bekam jetzt 30 Prozent vom Gewinn ab. „Offiziell hat Herr Abou Chaker über neun Millionen an mir verdient“, sagte der Rapper aus. Er beschrieb ihn nicht nur als Abzocker: Der Clanchef habe sich immer öfter bei ihm im Studio aufgehalten, sich mit einigen Künstlern angefreundet und Streitigkeiten geklärt: „Der hat nicht mit dem Hammer auf den Tisch geschlagen“, beteuerte der Nebenkläger.

Ab 2007 wechselte Bushido zu Sony. Den Vertrag habe er auf einem Heizkörper unterschrieben: „Das passte zur Stimmung: Uns gehört die Welt!“, erinnerte sich der Rapper. Er habe sich dann erst mal für einen Monat ein Riesenposter mit seinem Konterfei auf dem Kudamm gegönnt.

Weil der Name Bushido für Bonität stand, trug ihm sein nunmehriger Geschäftspartner Abou Chaker noch einige Immobilienkäufe an: Ein Haus in Lichterfelde, ehemalige Kasernen im brandenburgischen Rüdersdorf. Gemeinsam gründeten sie eine GbR und eine GmbH. Bushido gab dem Clanchef eine Generalvollmacht, um den Erwerb auch in Abwesenheit des Rappers abschließen zu können. Diese Vollmacht geriet zunächst in Vergessenheit, bis Bushido erfuhr, dass ihm die Wohnungen in Lichterfelde nicht mehr gehörten. Der Bruder des Clanchefs habe ihn 2012 mithilfe der Generalvollmacht aus dem Grundbuch austragen lassen. Auch beim Erwerb der Kasernen fühlte sich der Rapper von Abou Chaker und dessen Umfeld betrogen, vor allem von dem Steuerberater, den der Clanchef bestimmt hatte.

„Warum haben Sie sich nicht selbst einen Steuerberater gesucht?“, fragte der Vorsitzende Richter. „Das war nicht möglich. Was Abou Chaker gesagt hat, das wurde gemacht.“