Beäugen wir unsere Umwelt seit Tagen eher argwöhnisch?
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BerlinDer Frühling! Allen widrigen Begleitumständen zum Trotz empfangen ihn die Menschen mit offenen Armen. Viele Außenplätze in den Cafés sind sofort gut besetzt. Wenn schon Weltuntergang, dann mit Sonne. Leider fliegen mit dem Erblühen der Flora auch ihre vielzähligen Pollen durch die Luft. Was derzeit manch bösen Blick nach sich zieht, denn wer wegen seines Heuschnupfens verquollene Augen hat oder niest, macht sich sofort verdächtig. Dabei zählt Niesen nicht zu den Symptomen des grassierenden Virus.

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Schränke mit Lebensmitteln quellen über

Das ist übrigens keine feuilletonistische Zuspitzung, sondern ein Erfahrungswert. Vom entspannt wirkenden Sonnenbad abgesehen beäugen wir unsere Umwelt seit Tagen doch eher argwöhnisch, oder? Es lässt sich in Bussen und sogar auf den Bürgersteigen in den Gesichtern ablesen, sobald sich jemand bloß räuspert. Es wird nicht mehr lange dauern, bis ein wütender Mob die ersten Allergiker mit Mistgabeln aus der Stadt treibt. Oder andere, die ihm spanisch vorkommen.

Inmitten eines Szenarios wie im Katastrophenfilm ist der Grat zwischen notwendiger sozialer Abgrenzung hin zur sozialen Ausgrenzung nicht weit. Das sollte uns nicht überraschen, diese Reaktion auf Menschen in Notsituationen kennen wir schließlich seit Jahren aus einem anderen Kontext.

Hier wie dort sehen Mitmenschen ihren Lebensstandard in Gefahr und handeln in darwinistischer Abschottung. Die Lösung, hier wie dort: Grenzen dicht! Mit dem Unterschied, dass hier die Schränke ohne Not mit Lebensmitteln überquellen. Frei nach Max Liebermann: Es lässt sich nicht so viel Pasta essen ...

Eine schützenswerte Zivilisation?

Natürlich zeigt sich aktuell, wie viele tolle Menschen es gibt, die anderen Hilfe anbieten. Nur, würden wir die Gesellschaft als Person betrachten, wäre sie durch die Darwinisten leider eine, die mit dem Hintern einreißt, was sie vorne aufgebaut hat. Es stellt sich schon die Frage, was für eine schützenswerte Zivilisation das eigentlich sein soll, in der Menschen medizinisches Zubehör von Kinderkrebsstationen stehlen.