„Hören Sie bitte auf, Kinderfotos für jedermann sichtbar bei Facebook und Co. zu posten.“Mit diesem Spruch sorgte die Polizei Hagen in diesen Tagen für Wirbel im Netz. Besonders in den sozialen Medien diskutierten Blogger, Profis und Privatpersonen über die Warnung der Polizei. Einige fühlten sich bevormundet, andere dachten: Endlich sagt es mal jemand. Wir haben sechs Blogger um Statements gebeten. Hier erläutern sie, aus welchen Gründen sie ihre Kinder im Internet zeigen – oder warum eben gerade nicht.

„Nicht die Eltern sind schuld“

ME Super Mom: Die Bloggerin Henriette Zwick zeigt Kinderfotos, aber bewusst:

„Bei der Diskussion um Fotos im Netz sollte man zwei Dinge nicht vergessen: Eltern handeln (meistens) im besten Gewissen FÜR ihr Kind. Niemand will seinem Nachwuchs absichtlich schaden. Und zweitens darf man den (meisten) Erwachsenen Medienkompetenz unterstellen, heißt ihnen ist klar, dass man sein Kind nicht nackt oder in peinlichen Situationen im Netz darstellt. Aber der wichtigste Punkt: Nicht die Eltern sind Schuld, wenn mit den Fotos der Kinder Schindluder betrieben wird, sondern nur der, der sie dafür mißbraucht. Eine Frau im kurzen Rock ist auch nicht schuld, wenn sie von Typen dumm angemacht wird.“

„Das Netz ist voller kranker Köpfe“

Daddylicious: Der Blogger Kai Bösel ist gegen die Veröffentlichung von Kinderbildern:

„Als frischgebackener Vater entwickeln die meisten Männer ein extremes Sicherheitsbedürfnis für ihr Kind. Der offensive Umgang mit Kinderfotos im Netz steht dazu im krassen Gegensatz. Denn zum einen ist das Netz voller kranker Köpfe, die jedes Foto kopieren, bearbeiten und weiterverbreiten können. Und darüber hinaus sollte man dem eigenen Kind auch die Entscheidung überlassen, ob es seine Kindheit in sozialen Netzwerken veröffentlicht haben möchten. Wir nutzen auf unserer Väter-Magazin manchmal eigene Fotos unserer Kinder, ohne die Gesichter zu zeigen. Ansonsten sind wir strikt gegen die Veröffentlichung von Fotos und Videos der eigenen Kinder im Internet“

„Ständiger Abwägungsprozess“

Frau Mutter: Die Bloggerin Nina Massek hat einen Mittelweg gewählt:

„Bei Fotos aber auch bei Texten, die sich ums Privatleben meiner Familie drehen, ist das ein ständiger Abwägungsprozeß, was ich zeige, erzähle und was nicht.

Einen Familienblog ohne Fotos von Kindern wollte ich aber auch nicht. Also habe ich mich für einen Mittelweg entschieden. Die Kinder werden auf öffentlichen Profilen von der Seite, von oben oder hinten gezeigt, oder auch Detailaufnahmen wie eine Hand oder so. Ich frage meine Kinder übrigens auch vorher, wenn ich etwas poste.“

„Nur unkenntliche Kinderfotos“

glücklich scheitern: Die Bloggerin Melanie Trommer zeigt Kinder höchstens von hinten:

„Wenn ich Fotos von Menschen im Netz veröffentlichen will, frag ich sie vorher um Erlaubnis. Meine Kinder kann ich nicht fragen, weil sie die Tragweite dieser Entscheidung noch nicht verstehen. Manchmal zeig ich sie von hinten, aber nie das ganze Gesicht. Aus dem gleichen Grund gebe ich auch die echten Namen nicht preis.“

„Kinder haben Recht auf Privatsphäre“

Große Köpfe: Die Bloggerin Anne-Luise Kitzerow hat sich in der Familie geeinigt, keine Fotos zu zeigen:

„Ich finde Kinder haben das gleiche Recht auf Privatsphäre wie Erwachsene. Sie sollten selbst entscheiden können. Mit Kind 1 rede ich direkt darüber, bei Kind 2 entscheide ich allein. Innerhalb unserer Familie haben wir uns darauf geeinigt, dass wir sie aus dem Netz raushalten.“

„Keiner kann einschätzen, was in 20 Jahren ist“

infemme: Die Bloggerin und Autorin Rike Drust baut auf Empathie:

„Für mich stellt sich die Frage, ob die Polizei Hagen in diesem Befehlston tatsächlich schafft, für das Thema zu sensibilisieren. Ich habe mich nach dem Post eigentlich nur gewundert, dass sie nicht alles in Großbuchstaben und mit 27 Ausrufezeichen geschrieben haben. Ich handhabe das so: Frontale Bilder nur von mir selber und von den Kindern nur so, als wären sie Nachbar Wilson aus ,Hör mal, wer da hämmert‘.

Alle wissen, was wir so machen und was ich sagen will, aber keiner weiß, wie sie aussehen. Bei jedem Text, den ich schreibe, frage ich mich, ob ich das auch sympathischen, untrolligen Fremden erzählen würde. Dann versuche ich mir vorzustellen, ob der Inhalt irgendwann Schulhofvollhorstpotenzial haben könnte. Wenn ja, schreibe ich es nicht. Ich mache es also wie alle Eltern: Ich treffe Entscheidungen für meine Kinder.Keiner kann einschätzen, was in 20 Jahren ist.