Der Ausgang der Abgeordnetenhauswahl wird mutmaßlich darüber mit entscheiden, wie schnell die innerstädtische Verkehrswende Fahrt aufnimmt. So überfällig eine wirkungsvolle Idee für die Verkehrsinfrastruktur zweifelsfrei ist, so deutlich abzulesen ist leider an mancher Maßnahme, wie selten selbst gut gemeinte Impulse bis zum Ende gedacht werden. Die vor Monaten auf einer nahen Hauptstraße installierte Pop-up-Spur für Radfahrer ist für sich genommen erst mal eine deutliche Verbesserung. Nur hat wohl leider niemand auf dem Schirm gehabt, welche Folgen sich daraus ergeben – und wie man sie später behebt.

Durch die Reduzierung von drei auf zwei Fahrstreifen ist es schon kurz nach der Einrichtung der Fahrradspur zu Staus gekommen, die sich dank des Corona-Lockdowns aber längere Zeit immerhin auf die Stoßzeiten beschränkten. Mit dem Ende des Lockdowns wuchs das Verkehrsaufkommen rapide an, bald stauten sich die Autos zurück bis an die nächste Kreuzung. Für eine Verringerung der Abgasbelastung dürfte das auf dem Balkon kaum gesorgt haben.

Als aus drei nur noch ein Fahrstreifen wird

Jüngst kam noch eine mehrmonatige Baustelle hinzu, weshalb der Verkehr, der sich vor Monaten noch auf drei Spuren verteilte, nun wie durch einen Trichter auf eine Spur einreihen muss – auf einer vielbefahrenen Nord-Süd-Tangente. Den Autos Raum zu nehmen, ist eine Maßnahme, um das Autofahren unattraktiv zu machen – aber kaum abschreckend, solange Googles Navi Autofahrer an Staus vorbei durch die angrenzenden Nebenstraßen umleiten darf.

Der Alltag beweist, dass Leute, die den Stau umfahren wollen, in den Nebenstraßen nicht nur zu einem erhöhten Verkehrsaufkommen beitragen, sondern sich dort nur selten an Tempo 30 halten. Schließlich wollen sie ja schneller sein, als wenn sie im Stau geblieben wären, der sie vielleicht sogar schon in Verzug gebracht hat. Während sich die Sicherheit für Radler auf der Hauptstraße erhöht hat, hat sie sich in der Nebenstraße verschlechtert.

Wie kann eine Lösung aussehen? Die Durchfahrt verbieten? Zur Anliegerstraße umwidmen? Letzteres hat in einer Straße in der Nähe rein gar nichts verbessert. Aber vielleicht halten die Wahlprogramm konstruktive Vorschläge parat. Es bleiben ja noch ein paar Tage Zeit, sie zu studieren.