Berlin - Endlich die Ansätze nachfärben und die misslungenen Selbstversuche bei der Haarpflege korrigieren lassen: Am Montag öffnen die Friseure wieder! Die Gespräche in der Stadt drehen sich um den lang ersehnten Termin, ob in der WG oder auf der Straße. In der S-Bahn beschreiben zwei Damen, wie sie die Zeit notdürftig überbrückt haben: Hier ein bisschen schnibbeln, dort ein bisschen toupieren. Sie scheinen aber nicht besonders glücklich mit den Ergebnissen und schließen mit Blick auf den 1. März mit einem zufriedenen: „Man muss sich ja auch wohlfühlen.“ Doch die Wartelisten der Friseure sind lang, die Termine begrenzt. Die 2300 Betriebsstätten mit knapp 7500 Beschäftigten stellen sich auf ein striktes Hygienekonzept ein. Jan Kopatz, Obermeister der Friseur Innung Berlin, freut sich, dass Friseure als erste Betriebe wieder öffnen dürfen, und erklärt die Lage unter den neuen Bedingungen.

Welche Regelungen gelten?

Statt der 1,5 Meter Abstand zwischen den Bedienplätzen sind es jetzt 2 Meter. Zusätzlich hat das Arbeits- und Sozialministerium eine Regelung von zehn Quadratmetern Platz für jede Person im Salon erlassen. Kunden und Mitarbeitende tragen medizinische Masken. Und wie gehabt gibt es eine neue Frisur nur noch mit Termin. 

Bleiben viele Salons bei ihrem Schließtag?

Eher nicht. Kopatz persönliche Einschätzung ist, dass die allermeisten bereits am Montag öffnen werden. Die vergangen zehn Wochen waren eine lange Zeit und die Friseure möchte den Kunden gerne wieder zur Verfügung stehen.

Wird es längere Öffnungszeiten geben?

Ja, vermutlich werden viele Salons ihre Öffnungszeiten verlängern. Wegen der Zehn-Quadratmeter-Regelung dürfen Friseure gleichzeitig nur noch eine begrenzte Anzahl von Kunden bedienen. Je nach Geschäftsgröße wären das zwischen 50 und 60 Prozent Auslastung, sonst sind schnell zu viele Personen im Raum. Die Unternehmer haben sich Gedanken gemacht, wie sie das ausgleichen können. Schichtarbeit ist eine Lösung, durch die mehr Kunden bedient werden könnten.

Gibt es Preiserhöhungen?

Jein. Die Kalkulation hängt von verschiedenen Grundlagen ab, zu der vor allem auch die Anzahl der Bedienten gehört. Diese halbiert sich voraussichtlich fast. Deshalb wird es in einigen Salons zu Preisanpassungen kommen. Allerdings haben die Unternehmer auch die Kunden im Blick. Schließlich sind diese zu Pandemiezeiten ebenfalls von Kurzarbeit oder Schließungen betroffen. 

Wurde mehr Personal rekrutiert?

Nein. Die Platzbeschränkungen beziehen sich nicht nur auf Kunden, sondern auch auf das Personal. Längere Öffnungszeiten würden also auch einer Beschäftigung des ohnehin vorhandenen Personals zugute kommen. 

Wie lange gilt das neue Hygienekonzept?

Das Arbeits- und Sozialministerium hat die neuen Hygieneregeln vorerst bis zum 15. März festgesetzt. Kopatz hofft, dass sich Betriebe an die Vorgaben halten, da sonst erneute Schließungen drohen. Die zwei Meter Abstand zwischen den Bedienplätzen hält er aber für ausreichend und plädiert für eine baldige Lockerung der Zehn-Quadratmeter-Regelung.

Wo gibt es noch freie Termine?

Wie es aussieht, gibt es tatsächlich noch freie Termine, buchbar beispielsweise unter treatwell.de.