Was passiert beim Sex?: So gelingt die Aufklärung von Grundschülern

Wenn Kinder die ersten Fragen stellen, kann das für Eltern schon einmal zur Herausforderung werden. Wie wird man eigentlich schwanger? Was passiert beim Sex? Wie kommt das Baby wieder aus dem Bauch raus? Die Sache mit den Bienchen und Blümchen glauben die Kinder irgendwann nicht mehr – die mit dem Storch sowieso nicht. Was dann?

Die Berliner Grafikerin Anette Beckmann (41) suchte für ihre Tochter Bücher zum Thema und fand für die Altersgruppe der Sieben-bis Zehnjährigen zwar Material, aber nicht das, was sie suchte. Eine Geschichte, mit der sich die Kinder identifizieren können. In der sie sich wiedererkennen und in der „die Sache“ nicht staubtrocken als Sachbuch abgehandelt wird, sondern in der es auch mal peinlich werden darf.

„Jetzt aber nicht lachen“, heißt es auf einer Seite in dem Buch „Carlotta, Henri und das Leben: Tante Uli ist verliebt und vermehrt sich“, das Anette Beckmann schließlich zusammen mit Marion Goedelt selbst schrieb, nachdem sie nichts Adäquates gefunden hatte. Und die Stelle mit dem „Nicht Lachen“ ist natürlich genau der Moment, in dem die Kinder anfangen zu lachen.

Wir haben die Autorin zum Thema Aufklärung von Grundschülern interviewt.

Frau Beckmann, Sie haben sich für ihr erstes Buch ganz besondere Themen ausgesucht: Sex, Schwangerschaft, Geburt...

Anette Beckmann: Ja, das stimmt. Diese Themen sind für Kinder hochspannend und superpeinlich zugleich. Das macht den Reiz aus. Aber ich wurde von einem Kind bei einer Lesung in der Schule auch schon gefragt: „Warum haben Sie sich ein so ekelhaftes Thema ausgesucht?“

Was antworten Sie darauf?

Beckmann: Mein Buch ist die Antwort darauf. Das Thema ist nicht eklig, auch wenn nicht jeder sich traut, ganz offen darüber zu reden. Ich bemerke da übrigens in der Wahrnehmung einen großen Unterschied zwischen Jungen und Mädchen.  

Inwiefern?

Beckmann: Viele Mädchen zwischen der dritten und fünften Klasse setzen sich bei unseren Lesungen in die erste Reihe, melden sich, wollen reden, wissen schon unheimlich viel. Wenn wir sie fragen, zu welchem Thema wir das nächste Buch schreiben sollen, sagen sie: Zickenkrieg, Tod oder Scheidung. Soziale Themen eben. Die Jungs hingegen antworten: Es soll um Star Wars oder Ninjago gehen. Sie sind erst einmal peinlich berührt, wenn wir aus unserem Buch und von Tante Ulis Verliebtsein vorlesen.

Und wie spreche ich als Mutter oder Vater zu Hause das Thema Sexualität richtig an?

Beckmann: Da gibt es kein Richtig oder Falsch. Es ist ein sensibles Thema, bei dem es wichtig ist, nicht zu sagen: So wird es gemacht und so nicht. Es ist wichtig, Dinge zu benennen, aber eben auch vieles offen zu lassen. Wenn das Kind Fragen hat, sollten diese beantwortet werden.