BerlinFallen die Weihnachtsgeschenke in diesem Pandemie-Jahr größer aus? Sollen sie trösten? Oder werden sie eher kleiner? Ist es vielleicht mehr die Geste, die zählt? „Wir bekommen alle die Chance, das Weihnachtsfest mal in einem kleineren Rahmen zu erleben. Das könnte zu mehr Dankbarkeit führen. Wir müssen uns nicht so sehr stressen, große Geschenke zu machen“, sagt Kathrin Oxen, Pfarrerin in der Gedächtniskirche, über das diesjährige Schenken.

Aber schränken sich die Berlinerinnen und Berliner bei Geschenken im Jahr der Pandemie wirklich ein? Einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts info GmbH im Auftrag der Berliner Sparkasse zufolge wollten 30 Prozent der Befragten weniger Geld für Weihnachtsgeschenke ausgeben als noch im Jahr zuvor. Etliche von ihnen gaben an, 2020 ein geringeres Budget für Präsente zur Verfügung zu haben. Andere wollten ihr Geld aufgrund der wirtschaftlichen Unsicherheit zusammenhalten.

Und dennoch hatten die Befragten genaue Vorstellungen, was Heiligabend unterm Weihnachtsbaum liegen soll. Eine Reise wünschten sich 37 Prozent, Literatur ebenfalls 37 Prozent, Essenseinladungen standen bei 36 Prozent hoch im Kurs. Eintrittskarten für Kulturelles (34 Prozent) sowie Geld (33 Prozent) folgten auf den Plätzen dahinter.

Die Berliner Wünsche zielen damit teilweise am bundesweiten Geschenketrend vorbei, weiß Petra Süptitz vom Marktforschungsinstitut GFK. „In den vergangenen Jahren haben die Leute vielfach Erlebnisgutscheine für Reisen, Restaurants oder die Sauna geschenkt. Das ist rückläufig. In diesem Jahr dürften eher Sachgutscheine verschenkt werden.“ Dass die Menschen mehr Zeit zu Hause verbringen, spiele eine besondere Rolle bei der Geschenkeauswahl. „Bücher, Spielsachen und Lebensmittel sind bundesweit die drei häufigsten Präsente 2020“, sagt Süptitz.

Welche Geschenke denn nun wirklich ausgepackt werden, haben uns einige Berlinerinnen und Berliner bereits vor Heiligabend verraten.

Die Töchter von Gabi Möckel zum Beispiel bekommen einen Geschenke-Klassiker: Bettwäsche. „Die beiden sind gerade dabei, sich in ihren Zimmern ein wenig neu einzurichten. Weil wir dieses Jahr nicht in den Urlaub fahren konnten, machen wir es uns eben zu Hause schick.“

Foto: Volkmar Otto Volkmar Otto
Gabi Möckel schenkt ihren Töchtern Bettwäsche.

Steven B. investiert in die digitale Zukunft seiner Großmutter. „Meine Oma bekommt dieses Jahr eine komplette Smarthome-Ausrüstung. Bereits letztes Jahr haben wir ihr eine Alexa geschenkt. Da fehlen jetzt noch die passenden Glühbirnen und ein Thermostat, das man fernsteuern kann“, sagt er. Seine Mutter bekomme eine mit Süßigkeiten gefüllte Tasse als kleine Aufmerksamkeit, denn „eigentlich hatten wir ausgemacht, uns gar nichts zu schenken“.

Foto:  Volkmar Otto
Steven B. hat seiner Mutter eine Tasse besorgt.

Tobias und Lena, die nur ihre Vornamen nennen möchten, überraschen sich an ihrem ersten gemeinsamen Weihnachtsfest als Paar auf unterschiedliche Art. „Meine Freundin ist Bauleiterin und hat sich neue Gummistiefel gewünscht. Außerdem schenke ich ihr noch die Apple AirPods“, sagt er. Tobias wiederum bekommt einen Gutschein für einen Tanzkurs. „Ich hoffe natürlich, dass wir den so schnell wie möglich einlösen können“, sagt Lena.

Foto:  Volkmar Otto
Diese Gummistiefel landen bei Tobias' Freundin Lena unterm Weihnachtsbaum.

Die PR-Beraterin Kerstin Riedel schenkt ihrem Schwager einen Restaurantgutschein. „Ich glaube fest daran, dass die Lust auf gutes Essen mit lieben Freunden und Familie auch 2021 ungebrochen und sogar stärker denn je sein wird“, sagt sie. Ihre Eltern bekommen eine Weihnachtsgans und eine Kiste ihrer Lieblingspasta. „Damit sind sie zumindest über die Feiertage gut versorgt.“

Auch der Politikwissenschaft-Student Lukas Kuite denkt praktisch. „Ich schenke meinem Bruder einen Pizzaschneider in Form eines Fahrrads. Das sieht witzig aus. Man sollte sich an den kleinen Dingen im Leben erfreuen.“

Foto: Volkmar Otto
Sophie hat in der Weihnachtszeit im Bikini Berlin täglich bis zu 50 Geschenke eingepackt.

Dass funktionale Geschenke in diesem Jahr besonders gefragt waren, hat Sophie in der Shoppingzeit vor dem harten Lockdown festgestellt. Im Bikini Berlin hat sie mit Kolleginnen täglich bis zu 50 Geschenke für Kunden des Einkaufszentrums eingepackt. Sie weiß: „Die Leute schenken dieses Jahr oft besondere Schokolade und Lakritz oder nützliche Sachen wie Schals oder Handschuhe.“ Sie selbst packt für ihrem Freund eine Daunenweste ein. „Superpraktisch, kann man drunterziehen und auf Reisen gut mitnehmen.“