Die Zebras haben sich gewundert, dann haben sie sich hinter einem Stein versteckt und schließlich haben sie doch interessiert zugehört. So zumindest erinnert sich der Sänger Karl Grunewald an den Mittwochvormittag. Dabei galt das Lied gar nicht den Zebras, gesungen wurde gegenüber, bei den Seelöwen. Roland, eines der Tiere, hatte Geburtstag, und Karl Grunewald wollte ihm zusammen mit seinen Kollegen ein Lied singen.

Es ist ein ungewöhnlicher Termin für alle Beteiligten. Eine Band tritt vor einem Tiergehege im Zoo auf, um auf ihr Konzert im Tipi am Kanzleramt aufmerksam zu machen. Noch bis zum 16. Juli singen sie dort fast jeden Abend. Die 12 Tenors sind eine internationale Gruppe von Sängern, aus Deutschland, Großbritannien, Italien, Irland, Polen, Australien und Kolumbien.

Für die Zuschauer sah es zum Teil so aus, als wollten die Tiere mitsingen. Bei den ersten Tönen reagieren die Seelöwen im Berliner Zoo sofort. Sie recken ihre Köpfe und schauen, wer sich dort an ihrem Gehege aufgebaut hat. Dort stehen zwölf Männer und singen lauthals erst „Happy Birthday“, dann „Hey Jude,“ dann „O Sole Mio“.

Grölen mit Tenören

Es lässt sich nicht genau sagen, ob sie die Musik mögen, aber sie fangen an zu grölen. Die Seelöwen sind erst schüchtern, aber als ein Mitarbeiter vom Zoo ein Spielzeug ins Gehege wirft, verlieren sie ihre Scheu. Kurz darauf ziehen die Sänger weiter in Richtung Pinguine. Dieses Mal singen sie nicht, sondern füttern nur die Tiere.

Berliner Zeitung/Markus Waechter
Die Pinguine sind schon satt, sagten die Tenöre.

„Erst war Roland, der Seelöwe, im anderen Becken“, sagt Karl Grunewald, „aber dann hörte er interessiert zu.“ Der Zoo hat das Lied auch aufnehmen lassen, weil sie schließlich immer wieder Gelegenheit haben, so ein Lied zu spielen. Demnächst hat der Panda Jiao Qing Geburtstag. Er wird Mitte Juli zwölf Jahre alt.

Damit ist der Panda genauso alt wie die Band: Die Tenöre feiern in diesem Jahr zwölfjähriges Bühnenjubiläum, das Tipi am Kanzleramt feiert sogar 20-jähriges Bestehen. Die Tenöre sind an diesem Vormittag jedenfalls noch zu den Pinguinen gelaufen. Als sie diese füttern wollten, waren die leider schon satt. Karl Grunewald sagt: „Wir haben die Fische dann an die Reiher gegeben.“