Berlin - Man weiß nicht genau, wann die Zeit stehengeblieben ist im Köllnischen Park in Mitte. Aber sie steht. Inmitten der Anlage befindet sich der Bärenzwinger, er ist leer und rottet vor sich hin. Nach dem Tod von Schnute, der letzten Stadtbärin von Berlin, ist das Tiergehege ohne Verwendung. Das sieht man auch daran, dass alte Zeugnisse herumhängen, wie etwa der Speiseplan für die Bären, der an einer Tafel dran gepinnt ist: Sie bekamen Obst (alles, außer Bananen), Gemüse (außer Kartoffeln, Rettich, Paprika und Weißkohl), Fleisch vom Rind und Geflügel sowie Leckerbissen wie Honig, Rosinen oder frischgeschnittene Linde, Pappel, Weide oder Ahorn.

Auf der Rückseite der Tafel steht die lange und wechselvolle Geschichte des Bären als Berliner Wappentier (seit 1280) und die nicht ganz so lange Geschichte des Zwingers (eröffnet 1939, siehe Kasten). Jedoch: Am 11. Oktober 2015 wurde Schnute eingeschläfert, im Alter von 34 Jahren. Sie litt an Arthrose. Seitdem ist der Zwinger leer.

Und das soll er auch bleiben, sagt Carsten Spallek, Stadtrat für Stadtentwicklung des Bezirks Mitte, und also zuständig für das 800 Quadratmeter große, denkmalgeschützte Ensemble mit seinem geklinkerten Mittelgebäude mit drei Käfigen im Inneren und den beiden Freiflächen rechts und links. „Jetzt ist Kreativität gefragt“, sagt der CDU-Politiker, vieles sei denkbar für den Zwinger, einiges möglich, nur eines sicher nicht: „Bären wird es dort keine mehr geben, nicht einmal Schildkröten.“ Nicht zuletzt Proteste von Tierschützern sorgten für den Konsens: Der Zwinger ist für Tierhaltung nicht (mehr) geeignet.

Privater Kooperationspartner gefragt

Aber was soll damit geschehen, wer kann etwas mit einem alten Tiergehege anfangen? Welche der Institutionen, die sich rund um den idyllischen Park mit seinen großen Bäumen angesiedelt haben? Die angolanische, brasilianische oder kosovarische Botschaft vielleicht? Der Metropolpark Berlin, der aus der einstigen SED-Parteihochschule „Karl Marx“ im Haus am Köllnischen Park „New Dimensions Of Living“ machen will? Dann vielleicht doch eher das junge Obdachlosenpaar, das sich an diesem Mittwochvormittag auf der Wiese vor dem Gehege ausgebreitet hat. Immerhin gibt es drinnen Fußbodenheizung, eingebaut für die Bären. Zuletzt hat auch das Märkische Museum abgewinkt. Das restauriert das historische Marinehaus gegenüber und stellt sich unter seinem neuen Chef Paul Spies aus Holland überhaupt neu auf. Aber für den Bärenzwinger hat man keine Verwendung.

Aktuell gibt es einen Auftrag des Bezirksparlaments von Mitte an das Bezirksamt. Dieses möge prüfen, ob im Bärenzwinger eine „kulturelle Zwischennutzung“ möglich ist, ehe irgendwann einmal ein Gesamtkonzept vorliegt. Hintergrund ist offenbar eine Anfrage von der Art Berlin Contemporary (ABC) vor einiger Zeit. Der Zusammenschluss von Galerien sucht immer wieder nach gerne auch ungewöhnlichen Ausstellungsflächen. Auf Nachfrage bei ABC heißt es nun aber: Der Bärenzwinger? Ach, das war mal nur so eine Idee. Die wolle man aktuell nicht weitertreiben.

Bei Spalleks Kollegin, der Kulturstadträtin Sabine Weißler, gehen die Alarmleuchten an, wenn sie nur von solchen „temporären Ideen“ hört. Ihre Abteilung könne das schon aus finanziellen Gründen nicht sicherstellen, sagt die Grünen-Politikerin. „Daran könnten wir Pleite gehen.“ Wünschenswert wäre eine dauerhafte Nutzungsvariante, am besten mit einem privaten Kooperationspartner, sagt Weißler. Nur wer kommt dafür in Frage?