Waschanlage „bike wash“: Puschel fürs Rad

Fahrradputzen ist die Pest. Schlimmer als Autowaschen und Rasenmähen zusammen. Meist verbringt man Stunden in gebückter Haltung vor seinem Rad, wischt und wienert bis der Rücken schmerzt. Zu guter Letzt ist das gute Stück dann zwar sauber, man selbst aber dreckig von Kopf bis Fuß.

Dass es auch anders geht, zeigen zurzeit zwei fahrradbegeisterte Berlinerinnen vor den Schönhauser Allee Arcaden in Prenzlauer Berg. Mechthild Bläute (54) und Patric Starker (53) haben hier noch bis einschließlich Mittwoch ihre mobile Fahrradwaschanlage „bike wash“ aufgebaut. Ihr Versprechen: In drei Minuten ist das Rad blitzblank, wer noch Ketten- und Zahnkranz-Reinigung will, muss mit 15 Minuten rechnen. Und das alles für 7,80 Euro fürs Waschen plus 2,20 Euro für die Zusatzreinigung. Klingt gut.

Es ist auch gut. Obwohl sich Patric Starker, die Kreuzbergerin mit dem ungewöhnlichen Vornamen, einen Kommentar beim Anblick meines schwarzen Herrenrads nicht verkneifen kann: „Oha – dit is ja ein Ding!“ Naja. Man könnte auch sagen: Diese Patina hat sich das Rad in vielen Winter- wie Sommermonaten hart erworben. Ehe Patric Starker es in die Waschanlage schiebt, sprüht sie erst einmal Schmutzlöser auf den Rahmen. „In der Anlage ist ja nicht so viel Putzmittel drin“, sagt die 53-Jährige zur Erklärung.

Rotierende Puschel-Bürsten

Dann ist es so weit. Die eigentliche Waschanlage ist in einem oben offenen Plexiglaskasten von etwa drei Metern Länge und eineinhalb Metern Höhe verborgen. Über eine Rampe rollen Patric Starker und ihre Kollegin das Rad hinein. Dort wird es mit einer Wasser-Putzmittel-Mischung eingeschäumt, zugleich wirbeln zwei rotierende Puschel-Bürsten an ihm entlang. Die Räder werden noch mit Ultraschall gereinigt. Zusätzlich beugen sich die beiden Frauen über den Kasten und putzen mit Bürsten nach.

Laut Mechthild Bläute können umweltbewusste Radfahrer dem ganzen Wirbeln und Wischen mit gutem Gewissen zusehen. Die Anlage verbrauche nur 30 Liter Wasser am Tag, sagt sie. Das Bio-Putzmittel sei extra entwickelt worden.

Fast alle Radtypen können hier gereinigt werden. Nur Rennräder mit tiefem Lenker dürfen nicht in die Maschine. Die rotierenden Puschel verhaken sich sonst. Auch bei Rädern mit Rücktrittsbremse empfiehlt es sich, das vorher zu sagen. Denn wenn sich die Pedale nicht nach hinten bewegen lassen, und die Frauen nicht extra aufpassen, gibt’s auch hier Probleme.

Was das heißt, zeigt sich bei meinem Rad: Die Bürsten blockieren, die Maschine muss gestoppt werden. Nach einem kurzen Schrecken geht dann die einprogrammierte Putzprozedur von vorne los.

Die Fahrrad-Waschanlage ist ein Prototyp. Entwickelt wurde sie von Stefan Sarfert in München. Ausgerechnet in der Fahrradstadt Berlin gebe es nichts Vergleichbares, sagt Mechthild Bläute. Sie sei sofort von der Idee begeistert gewesen. Die beiden Frauen arbeiten mit Sarfert zusammen und haben eine eigene Firma gegründet. Sie hoffen, dass sie sich auf Dauer trägt.

Ihre Putzaktion vor den Schönhauser Allee Arcaden läuft schon mal nicht schlecht. Es gibt sogar Radfahrer wie Silke Aschendorf, die extra aus Reinickendorf kommen, um ihr Rad waschen zu lassen. Danach ist sie begeistert: „So schön war es noch nie.“

Das könnte man auch über mein Rad sagen. Wobei allerdings der Verdacht aufkommt, dass Roststellen nun besonders auffallen. Aber egal. Nach der Wäsche poliert Patric Starker Rahmen, Lenker und Felgen. Alles glänzt. Und ich habe weder Rückenschmerzen noch schmutzige Klamotten.

Bis 2. Oktober, tgl. 10 bis 18 Uhr, außer Sonntag, Schönhauser Allee 80.