Wasser für alle: Senat plant 100 neue Trinkbrunnen in Berlin

Sie sind wie Oasen unter der prallen Sonne. Seitdem ein Hitzerekord den nächsten jagt, werden Trinkbrunnen in der Stadt immer wichtiger. Bei tropischen Temperaturen sollen sie den kleinen und den großen Durst stillen – schnell, unkompliziert, kostenlos. 48 solcher öffentlichen Trinkbrunnen gibt es bisher in Berlin. Jeweils 350.000 Liter Leitungswasser fließen im Durchschnitt zwischen März und Oktober aus diesen Brunnen. Doch das reicht nicht, um den Bedarf zu decken und die Umwelt zu schonen.

Bis Ende 2019 sollen 100 neue Trinkwasserbrunnen dazukommen, wie Astrid Hackenesch-Rump von den Berliner Wasserbetrieben sagt. „Dazu zählen Brunnen, aber auch Trinkwasserspender in öffentlichen Gebäuden.“ Im März hatte der Senat den Ausbau des Brunnen-Netzes beschlossen, eine Million Euro stehen dafür bereit. Mit dem Ausbau will Berlin auch die Flut von Plastikflaschen mit Trinkwasser eindämmen.

Ungleichmäßige Verteilung der Brunnen

Wo genau die neuen Brunnen hinkommen, entscheiden die zwölf Bezirke. Sie haben während eines Treffens im Frühjahr den Wasserbetrieben ihre Wünsche mitgeteilt. In Friedrichshain-Kreuzberg, wo bisher nur drei Trinkbrunnen stehen, sollen laut Bezirksamt noch in diesem Jahr neun neue gebaut werden, so am Paul-Lincke-Ufer, am Mariannenplatz und auf dem Comeniusplatz.

Auch die S-Bahnhöfe Schönhauser Allee und Wannsee bekommen nach Angaben der Wasserbetriebe Trinkbrunnen. Insgesamt sind die Brunnen recht ungleichmäßig über die Stadt verteilt: Im Bezirk Mitte stehen zehn Brunnen, in Charlottenburg-Wilmersdorf sechs. In den anderen Bezirken sind es zwei bis fünf.

Wasser als öffentliches Gut geschützt

Tempelhof-Schöneberg ist bisher als einziger Bezirk noch ohne Brunnen. Das soll sich aber ändern: Auf dem Tempelhofer Damm wird am Alten Park einer gebaut. Auch auf dem Boulevard Unter den Linden wird vor der Alten Wache bald ein Brunnen aufgestellt. Auch der Volkspark Rehberge bekommt einen. In Lichtenberg, wo bislang nur drei Brunnen stehen, kommen bald drei weitere hinzu: vor der Max Taut-Schule, auf dem Anton-Saefkow-Platz und im Tierpark in Friedrichfelde. In Marzahn-Hellersdorf werden auf dem Helene-Weigel-Platz und am Eastgate Trinkbrunnen errichtet. Bislang stehen dort nur drei.

Das Brunnen-Projekt geht auf die Initiative „Blue Community“ zurück. Die Organisation setzt sich weltweit dafür ein, dass Wasser als öffentliches Gut geschützt wird. Jedoch sind Trinkbrunnen keine billige Angelegenheit. Ob die Aluminium-Spender oder die gusseisernen „Kaiser-Brunnen“ in Berlin – zu Einbaukosten zwischen 10.000 und 15.000 Euro kommen jährlich Betriebskosten von rund 3500 Euro dazu. Der Brunnen müsse an das Netz angeschlossen werden, die Strecke dorthin möglichst kurz ausfallen, wie es bei den Wasserbetrieben heißt.

Berlin ist im Mittelfeld

Bei der Versorgung mit Trinkbrunnen vermutet die Sprecherin der Berliner Wasserbetriebe die Stadt eher im Mittelfeld. Tatsächlich sind andere europäische Metropolen mit öffentlichen Quellen besser ausgestattet. So stehen in Paris nach Angaben des Wasserversorgers Eau de Paris fast tausend Brunnen im Stadtbereich, in Rom sind es sogar rund 2500, davon schmücken rund 220 das historische Stadtzentrum. Im Jahr 1874 hatte der damalige Bürgermeister den freien Zugang zu Wasser für alle beschlossen – inklusive für die Haustiere.

London ist dagegen mit Trinkbrunnen knapp bestückt, in einigen Bezirken gab es bis vor kurzem keinen einzige. (mit dpa)