Berlin - Glucksen, tröpfeln, plätschern - das sind die Grundtonarten des Wassers. Wer bei den Berliner Wasserbetrieben (BWB) in der Warteschleife hängt, muss sich nicht grämen, sondern darf sich freuen, denn dort erklingt eine edle Version des Elements. Georg Friedrich Händels „Wassermusik“ fließt wohlig durch den Hörer in die Gehörgänge.

Unser Leser Frank Herfort aus Friedrichsfelde wies darauf hin, verbunden mit der Befürchtung, dass dies unverhoffte, aber erfreut akzeptierte Zufallskonzertchen bald wieder verschwindet aus dem Repertoire der BWB. Herr Herfort hatte angerufen wegen eines Problems bei der Zählerstandsermittlung. Die Mitarbeiterin konnte die Nachfrage schnell klären, aber kurz musste Herr Herfort doch noch in die Warteschleife und kam in den Musikgenuss. Stephan Natz von der BWB-Pressestelle erklärt, was da passierte: „Übersteigt die Anruferzahl unsere Mitarbeiterkapazitäten und die Nachfragen laufen im Call-Center über, schalten wir in den Wartemodus. Das ist eher montags der Fall, weil vorher am Wochenende viele Kundinnen und Kunden genügend Zeit hatten, ihre Turnusabrechnungen sorgfältig zu prüfen und sich Fragen zu stellen. Um da in der Situation den Anrufer oder die Anruferin zu unterhalten, wird Musik gespielt.“

Das Programm wechselte bereits mehrmals, in den 90ern war es der brave „Wassersong“ mit Zeilen wie „Dort, wo das Wasser fließt, das uns das Leben schenkt“ und „Wir für alle Menschen, dank derer es fließen kann“. Der vorerst letzte Wechsel war 2012, davor spielten die BWB „Klares kaltes Wasser“ der Berliner Band Malaria. Eine Frauen-Formation, punkiger kühler 80er Sound, Neue Deutsche Welle, das Klavier klingt wie Wassertropfen, Textauszug: „Klares kaltes Wasser - über meine Schenkel, über meine Brust“. 

Was für ein Gegensatz zu der Händelschen „Wassermusik“, die sich auch darin auszeichnet, laut und verständlich hergestellt werden zu können. Schließlich kam sie am 17. Juli 1717 mitten auf der Themse erstmals zur Aufführung. Eine Sause des englischen Königs Georg I. bereicherte sie mit Klängen. Die mussten ankämpfen gegen den Krach, den Natur so macht (Wind!) und die lauten (Takelage!) Segelboote, die sich verzückt lauschend nahe randrängten. Die vielen durchsetzungsfähigen Hörner und Trompeten - ein Beobachter berichtet von einem etwa fünfzig Mann umfassenden Orchester - waren ebenfalls auf einem bestimmt recht wackeligen Boot unterwegs.