Auf Seite 7 in diesem Schreiben der Senatsverwaltung für Umwelt wird in wenigen Sätzen zusammengefasst, wie sich das Leben in Berlin in naher Zukunft verändern könnte. Dort steht wörtlich: „Grundlegend ist es, bewusst und sorgsam mit der Ressource umzugehen und diese nicht zu verschwenden.“

Die Ressource ist das Wasser, das aus der Leitung kommt und in Badewannen, Gießkannen und Swimmingpools dieser Stadt fließt. Laut dem Schreiben könne die Bevölkerung „einfache Maßnahmen“ unmittelbar umsetzen. Auf Beamtendeutsch: „Die Förderung eines sparsamen Umgangs mit Wasser im Land Berlin ist wesentlicher Baustein zur zukunftssicheren Gestaltung der wasserwirtschaftlichen Rahmenbedingungen.“

Es ist die Antwort auf eine schriftliche Anfrage des Grünen-Abgeordneten Benedikt Lux an die Senatsverwaltung von dieser Woche. Darin hatte er zunächst gefragt, wie häufig die Spree rückwärts fließt. Das passiert, wenn weniger Wasser in der Quelle ist als im Zielort. Die einfache Antwort auf diese Frage lautet: 211-mal zwischen den Jahren 2010 und 2020. Das bedeute, dass der Wasserhaushalt der Stadt Berlin zunehmend gestört sei. Doch darüber hinaus wollte Benedikt Lux von der Senatsverwaltung wissen, welche Maßnahmen ergriffen werden, damit Berlin weiterhin genug Wasser zur Verfügung hat.

„Die Zeiten, in denen Berlin viel Grundwasser hatte, sind vorbei“, sagt er der Berliner Zeitung. „Im schlimmsten Fall droht in einigen Jahren eine Wasserkrise.“ Deswegen müssen Berlinerinnen und Berliner mehr für Wasserkreisläufe tun und Wasser sparen. „Wir sollten so lange wie möglich versuchen, Berlin aus eigenem Wasseraufkommen zu versorgen und kein Fremdwasser zu importieren.“ Dafür seien Milliardeninvestitionen der Wasserbetriebe in neue Wasserwerke und in mehr Klärwerke mit der vierten Reinigungsstufe erforderlich.

Der Masterplan ist für einige zu schwammig formuliert

Der Senat verweist in seiner Antwort auf den „Masterplan Wasser“ und eine Reihe von Maßnahmen, die bereits in die Wege geleitet worden seien. Stillgelegte Wasserwerksstandorte sollen wieder aktiviert werden, die Berliner Wälder sollen auf Mischwälder umgestellt und das Regenwasser soll dezentral bewirtschaftet werden. Darüber hinaus sollen Böden entsiegelt werden, damit das Wasser wieder im Boden versickern kann. Als letzte Möglichkeit prüft der Senat auch eine Möglichkeit der Versorgung der Stadt mit Fernwasser.

Christian Schweer von der Wassernetz-Initiative Berlin findet den Masterplan Wasser im Grunde eine gute Sache, aber er geht ihm noch nicht weit genug. „Im Grunde wird doch darin etwas gefordert, was schon längst von der Europäischen Union in der Wasserrahmenrichtlinie festgelegt wurde.“ Der Masterplan sei sogar weniger konkret, weil die Ziele recht schwammig formuliert seien. Aber es sei ein Schritt in die richtige Richtung. „Es ist in der Vergangenheit zu wenig passiert“, sagt Schweer. „Eigentlich muss noch in diesem Jahr gehandelt werden.“

Genau das ist das Thema von Benedikt Lux, der am 29. Juni deshalb ins Umland von Berlin fahren will mit einer Delegation, um sich den Wasserverbrauch vor Ort anzuschauen. Darüber hinaus sieht aber auch er viel Potenzial in der möglichen Entsiegelung der Böden in Berlin. „Regen, der über Betonwüsten im Gulli versickert oder schnell verdunstet, ist die Wasserverschwendung, die wir uns nicht mehr leisten dürfen“, sagt er. „Deswegen wollen wir das Wasser in lokalen Kreisläufen halten, in einer Schwammstadt.“

Es müssten also viel mehr Flächen entsiegelt, Wälder zu Mischwäldern umgebaut oder Gründächer gepflanzt werden. „Für diese Projekte hat meine Fraktion über 30 Millionen Euro zusätzlich in den Haushaltsberatungen einstellen können.“ Das sei auch wichtig für Artenschutz und Stadtklima. „Wichtig ist, dass wir jetzt in die Umsetzung kommen.“

Bewusstsein schaffen für den eigenen Wasserverbrauch

In Schweers Wassernetz-Initiative treffen sich Engagierte aus dem Nabu, dem BUND und dem Naturkundemuseum. Deren Ziel ist es, in Öffentlichkeit und Politik für einen bedachten und nachhaltigen Umgang mit der Ressource Wasser zu werben. Sie überrascht es nicht, dass 74 Prozent des Wasserverbrauchs in Privathaushalten anfällt. Die Initiative hat deshalb auch einen Aktionsplan gefordert, der weiter geht als der Masterplan, der gerade im Gespräch ist.

„Die Berliner müssen verstehen, dass Rasensprengen oder ein voller Swimmingpool nicht mehr allgemeinverträglich sind“, sagt Christian Schweer. „Außerdem müssen wir uns fragen, wo unsere Energie herkommt und ob die Energie, die ich beziehe, in der Entstehung viel Wasser verbraucht.“ Kohlekraftwerke verbrauchten eben viel Wasser. Und dass zum Beispiel Berlin keine Gebühr für die Oberflächenwasser berechnet, findet Schweer ebenfalls nicht zeitgemäß. Bürger sollten aber auch bei sich anfangen: „Man muss nicht wie ein Asket leben, aber man sollte sich bewusst sein, wie viel Wasser verbraucht wird.“