Berlin - Ihr Einsatz hat sich bewährt. Etwa ein Dutzend Moderlieschen dient im Wasserwerk Beelitzhof als biologische Alarmanlage. Die Mini-Karpfen schwimmen in einem kleinen Trinkwassertank, dem Fischtoximeter. Sie zeigen die Wasserqualität an. „Es gibt keine technischen Sensoren, die so feinfühlig sind wie die Fische“, sagt der Chef des Wasserwerks, Ralf Binz. „Sie ändern sofort ihr Verhalten, wenn mit dem Wasser etwas nicht stimmt.“

Seit vier Jahren steht das Fisch-toximeter im Wasserwerk Beelitzhof. Die Anschaffung ist Teil einer sechsjährigen Sanierungsphase, die nun nahezu abgeschlossen ist. „Ende April, Anfang Mai gehen wir wieder richtig in Betrieb, sobald hier alles wieder keimfrei ist“, sagt Binz.

Neidisch auf Berliner Trinkwasser

In die Erneuerung des Wasserwerks neben dem Strandbad Wannsee haben die Wasserbetriebe 27,5 Millionen Euro investiert, weitere fünf Millionen Euro kosten die letzten Modernisierungen. Neben der Sanierung von 20 Tiefbrunnen wurden seit 2006 unter anderem vier von neun Reinwasserbehältern modernisiert. In den fußballfeldgroßen unterirdischen Gewölben wird das Trinkwasser zwischengespeichert, bevor es durch Rohre ins Stadtgebiet gepumpt wird. Diese Zisternen sind „abgesichert wie Fort Knox“, sagt Binz. Normalerweise käme hier keiner rein. Das Wasser steht üblicherweise bis unter die Gewölbedecke, vier Meter hoch. Doch wegen der ersten Bauarbeiten seit den 1960er-Jahren wurden die Wasserspeicher leergepumpt und waren in dieser Zeit begehbar.

Gespeist werden die Gemäuer aus Grundwasser, das durch Brunnen aus mindestens 20 Metern gewonnen wird. So ist es bereits durch die oberen Erdschichten gereinigt und muss nur noch belüftet – mit Sauerstoff angereichert – werden, ehe es über eine filternde Sandschicht in die unterirdischen Becken tropft. Dort lagert das Wasser, bis es ins Netz geleitet wird. Das Werk Beelitzhof hat eine Reserve von 64.000 Kubikmetern: So viel Wasser verbrauchen rund 580.000 Berliner an einem Tag.

„Das Berliner Trinkwasser wird naturnah gefördert und muss nicht zusätzlich desinfiziert werden“, sagt Binz. „Es ist exzellent.“ In anderen europäischen Großstädten wie Paris oder London sei man neidisch auf diese Wasserqualität.

Das Wasserwerk Beelitzhof wurde im Jahr 1888 in Betrieb genommen und versorgt heute nach Angaben des Betreibers 1,1 Millionen Berliner mit Wasser. Versorgt werden weite Teile des Südwestens der Stadt, zwischen Charlottenburg, Zehlendorf und Neukölln.