Wechsel von CDU zur AfD: Daniel Krüger soll Bezirksstadtrat in Berlin-Pankow werden

Nach den personellen Auseinandersetzungen im CDU-Kreisverband Steglitz-Zehlendorf muss die Berliner CDU eine weitere Niederlage hinnehmen. Der frühere Baustadtrat von Tempelhof-Schöneberg, Daniel Krüger, wechselt zur AfD.

Die Partei hat Krüger am Donnerstagabend zum Stadtratskandidaten in Pankow nominiert. „Daniel Krüger hat eine neue politische Heimat gefunden und wird als unser Mann in Pankow in das Bezirksamt gehen“, sagt der Vorsitzende der AfD-Fraktion in Pankow, Stephan Wirtensohn.

Nach Informationen der Berliner Zeitung soll es zwölf Kandidaten für den gut bezahlten Posten in Pankow gegeben haben, darunter waren ein amtierender Richter und ein weiterer früherer Stadtrat aus dem Bezirk Mitte, dessen Name und Parteizugehörigkeit die AfD geheim hält. Der Mann könnte sonst berufliche Schwierigkeiten bekommen, heißt es.

Wirtensohn sagt: „Wir haben uns für Krüger entschieden. Er wurde als Konservativer von seiner Partei enttäuscht und hat ihr den Rücken gekehrt.“

AfD hofft auf Wahl in Pankower Bezirksverordnetenversammlung

Die AfD hofft, dass ihr neuer Kandidat, Krüger war fünf Jahre lang als Bezirksstadtrat im Amt, nun endlich von den Pankower Bezirksverordneten gewählt wird. Das könnte auf der Sitzung am 5. April geschehen. Bisher hatte die AfD in Pankow kein Glück mit ihrem Bewerber Nicolas Seifert. Sieben Mal war der Projektmanager durchgefallen.

Beim siebten Versuch erhielt Seifert nur noch sieben Ja-Stimmen - vermutlich alle aus seiner eigenen Fraktion. Gegen Seifert stimmten 43 Abgeordnete. Zuvor hatten ihn Verordnete der Linken, Grünen und SPD immer wieder kritisiert und abgelehnt. Vor allem wegen seines aggressiven Auftretens bei einer AfD-Demo in Berlin, als Seifert einen Reporter der ZDF-"heute Show" angegangen war, der sich über die Demo lustig gemacht hatte.

Kandidat Krüger wird da als ehemaliges CDU-Mitglied als ruhiger und gemäßigter eingeschätzt. Er bringt zudem Verwaltungserfahrung mit. Der gebürtige Friedrichshainer, Jahrgang 1969, studierte Verkehrswesen an der TU Berlin und schloss das Studium als Diplom-Ingenieur ab. 1996 wurde Krüger Mitglied der CDU. Seit 2006 war er Mitglied der Bezirksverordnetenversammlung. 2011 wurde er Stadtrat für Tiefbau und Landschaftsplanung. In Pankow würde Krüger das Ordnungsamt sowie den Umwelt- und Naturschutz leiten. 

CDU reagiert überrascht

Der CDU-Kreisverband Tempelhof-Schöneberg reagierte am Freitag erstaunt auf den Parteiaustritt Krügers: „Dieser Schritt überrascht uns sehr“, heißt es in einer Erklärung des Kreisverbandes.“ In der Vergangenheit  habe es keinerlei Anzeichen für inhaltliche Schnittmengen zur AfD gegeben.

Daniel Krüger sagte der Berliner Zeitung, er werde trotz seiner Kandidatur für die AfD kein Mitglied dieser Partei werden. „Ich bleibe parteilos.“ Es gebe aber politische Schnittmengen mit der AfD.   

Knapp 1200 Mitglieder gehören zum Kreisverband, dessen Kreisvorsitzender der Chef der CDU-Fraktion im Abgeordnetenhaus, Florian Graf,  ist. Noch am 4. März wurde Krüger in den CDU-Kreisvorstand gewählt.

Auch die CDU-Stadträtin für Bildung, Kultur und Soziales in Tempelhof-Schöneberg,  Jutta Kaddatz, sagte der Berliner Zeitung, sie sei „total überrascht“ über Krügers Wechsel. Fünf Jahre lang habe sie mit ihm im Bezirksamt „kollegial zusammengearbeitet“. „Die AfD war nie ein Thema zwischen uns. Ich kann mir die Motive nicht vorstellen.“ Im Kreisverband wird vermutet, Krüger sei den finanziellen Anreizen erlegen. Ein Stadtrat erhält in Berlin ein Grundgehalt von etwa 7600 Euro.