Zwar darf individuell gepaddelt, gesegelt und gerudert werden. Doch nur wer ein Wassergrundstück mit eigenem Steg hat, kann sich glücklich schätzen.
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BerlinWenn die Wettervorhersagen stimmen, wird es ab Sonntag richtig schön. Und eigentlich beginnt demnächst die Wassersport-Saison. Doch trotz Sonnenscheins bricht eine düstere Zeit für Paddler, Ruderer und Segler an. Wegen der Corona-Krise mussten viele Vereine ihre Auftaktveranstaltungen absagen: Das Anpaddeln am vergangenen Wochenende fiel schon aus. Das Ansegeln für die Wochenenden 19. und 26. April findet ebenfalls nicht statt.

Zwar darf individuell gepaddelt, gesegelt und gerudert werden. Laut Eindämmungsverordnung des Senats ist „Sport und Bewegung an der frischen Luft“ erlaubt, wenn sie „allein, mit Angehörigen des eigenen Haushalts oder mit einer anderen Person, ohne sonstige Gruppenbildung erfolgt. Doch nur wer ein Wassergrundstück mit eigenem Steg hat, kann sich glücklich schätzen. Alle anderen  dürfen weder ihre Boote zu Wasser zu lassen, die noch vom Winter eingemottet am Ufer stehen, noch dürfen sie die Stege in Vereinen und öffentlichen Marinas betreten.

Und so liegen Motoryachten, Jollenkreuzer und Paddelboote weiter an Land. An den Pforten traditioneller Sportvereine, etwa an der Grünauer Regattastraße, hängen Schilder, auf denen das Bezirksamt auf die vom Senat erlassene Verordnung vom 14. März verweist. Danach ist der Sportbetrieb in allen öffentlichen und privaten Sportanlagen untersagt. Am Tor eines benachbarten Rudervereines hängt ein anderer Zettel, der auf die Vereinbarung zwischen der Bundesregierung und den Regierungschefs der Länder vom 16. März verweist. Danach sind auch Zusammenkünfte in Vereinen und sonstigen Sport- und Freizeiteinrichtungen verboten.

Vom Bezirksamt geschlossen: ein Kanuverein in Berlin-Grünau.
Foto: Andreas Kopietz

Auf Grundlage der Senatsverordnung, die aus Sicht vieler Juristen voller rechtlicher Unklarheiten ist, erließ jeder Bezirk eigene Anweisungen, die unterschiedlich scharf sind. In Reinickendorf und Treptow-Köpenick untersagten die Bezirksämter als erstes das Betreten der Vereinsgrundstücke. Am 18. März stellte der Berliner Segler-Verband der Senatsverwaltung für Inneres und Sport einige Fragen: etwa, ob Steganlagen Sportstätten im Sinne der Verordnung sind oder ob Arbeiten an den Booten im Winterlager auf dem Vereinsgelände unter sportlichen Betrieb im Sinne der Verordnung fallen. Die Verwaltung benötigte fast zwei Wochen für das Formulieren einer Antwort, in der es unter anderem hieß, es sei nicht gestattet, das Vereinsgrundstück zu betreten, um zum Boot am Steg zu gelangen oder um sein Boot zu Wasser zu lassen. Es sei auch nicht gestattet, Boote klarzumachen oder zu reparieren.

Ähnlich sagt das auch die Polizei. In einem Flyer verweist sie darauf, dass individueller Wassersport nicht zulässig sei, wenn der Bootsbesitzer seinen Liegeplatz in einem Verein, einer Marina oder einem vergleichbaren gewerblichen Betrieb seinen Liegeplatz habe. Auch Arbeiten am Boot, wie etwa slippen oder Reinigen, seien nicht zulässig. „Wir sind angehalten, die Eindämmungsverordnung durchzusetzen“, sagt ein Polizeisprecher. Die Wasserschutzpolizei will das vom Wasser aus kontrollieren.  

Angeln erst verboten - dann doch erlaubt

Vom „Wassersport-Verbot“ betroffen waren in Berlin neuerdings auch Angler, weil die Verordnung längeres Verweilen im Freien verbietet und Gruppenbildung befürchtet wurde. „Aufgrund der Nichtbewegung fallen Angelnde nach aktueller Einschätzung nun ebenfalls unter die EindämmVO“, zitiert das Netzwerk Angeln die Senatsumweltverwaltung, nachdem sie noch einige Tage zuvor das Angeln für erlaubt gehalten hatte. Am Donnerstagabend dann erneut die Rolle rückwärts: Der Senat beschloss, dass Angeln nun doch erlaubt bleibt - wenn die Angler keine Gruppen bilden und mindestens 1,5 Meter Abstand zueinander halten.  Die Senatsumweltverwaltung entschuldigte dies am Freitag gegenüber dem Angelmagazin mit der mangelnden Erfahrung mit dem Virus. Nachzulesen ist die Neuregelung nun auch auf der Webseite des Fischereiamtes.

Angler an der Havel in Gatow: Die Wasserschutzpolizei trieb auch Angler auseinander. Doch diese Tätigkeit bleibt  unter bestimmten Auflagen erlaubt.
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Zum Erliegen gekommen ist das Vereinsleben auch bei den Kanuten, Kanadier- und Drachenbootfahrern. Der Landes-Kanu-Verband Berlin hat bis Ende Juni alle Veranstaltungen gecancelt, sagt dessen Präsident Wolfgang Grothaus. Jetzt kommt es darauf an, den Leistungsaufbau für 2021 zu planen.

Geschlossen sind auch die Bundesstützpunkte Rudern und Kanu an der Sportpromenade in Grünau.
Foto: Andreas Kopietz

Neben Ruderern oder Kanuten sitzen auch rund 110 Segelvereine in Berlin auf dem Trockenen. Sie haben insgesamt knapp 15 000 Mitglieder – von der Kindergruppe bis zum Rentner, der seine Yacht am Steg zu liegen hat. „In den letzten Wochen bekam unsere Geschäftsstelle sehr viele Anrufe und Mails“, sagt Max-Leopold Käther, Sprecher des Berliner Segler-Verbandes. „Niemand stellt die Maßnahmen an sich in Frage. Aber einige sind der Ansicht, dass nicht genügend differenziert werde und man nicht alle über einen Kamm scheren könne. Denn viele würden nur allein oder mit Familie segeln wollen und müssten dazu nur wenige Meter zum Steg gehen.“

Reiner Quandt, Präsident des Berliner Segler-Verbandes appellierte an seine Mitglieder, solidarisch zu sein und sich an die Eindämmungsmaßnahmen zu halten. Das kann anstrengend werden. Der Deutsche Wetterdienst prophezeit für die nächste Woche 20 Grad und Sonnenschein.