Corona? Covid-19? War da nicht was? Während viele Fahrgäste die Pandemie bereits vergessen haben und darauf verzichten, Mund und Nase zu bedecken, kommt Corona bei den Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) immer deutlicher zum Tragen. Weil sich immer mehr Beschäftigte krankmelden, schränkt das Landesunternehmen den Fahrplan nach den Sommerferien ein. Auch die angespannte Situation auf dem Arbeitsmarkt, die es immer schwieriger macht, neues Personal zu rekrutieren, wirkt sich bei der BVG aus. Im Regionalzugverkehr in Berlin und Brandenburg gibt es ebenfalls Streichungen.

Vom 22. August an entfallen drei Prozent der Leistungen im Linienbusverkehr der BVG, teilte das Unternehmen am Donnerstag mit. Das bedeutet: Von den Kilometern, die mit dem Land Berlin vereinbart worden sind, werden drei Prozent nicht gefahren.

Straßenbahnen und U-Bahnen fahren wie gewohnt

„Im Umkehrschluss heißt das: 97 Prozent der Busfahrten finden unverändert statt“, so ein BVG-Sprecher. Alle Linien und Haltestellen werden weiterhin bedient. Der Schülerverkehr, werde „natürlich nicht eingeschränkt“. Anpassungen gibt es auf Buslinien mit dichten Takten oder dort, wo es Parallelverkehre gibt. Straßenbahnen und U-Bahnen fahren wie gewohnt.

Welche Buslinien vom 22. August an betroffen sein werden, stehe noch nicht fest, sagte BVG-Sprecher Jannes Schwentu der Berliner Zeitung. „Die Maßnahmen sind noch in der Detailabstimmung. Wir werden über die Linien und alle Details informieren, sobald auch die Fahrgastinfo-Systeme entsprechend aktualisiert sind. Dann können sich die Fahrgäste auch direkt über ‚ihre‘ Linien und Verbindungen informieren. Wir kommunizieren diese Details voraussichtlich rund eine Woche vor Beginn.“

Angespannte Arbeitsmarktlage wirkt sich auf die BVG aus

„Berlin kann sich auf die BVG verlassen“, versicherte das Unternehmen. „Doch die aktuelle Pandemieentwicklung macht auch vor den Verkehrsbetrieben nicht halt. In Kombination mit einer angespannten Arbeitsmarktlage führt dies leider dazu, dass die BVG das Angebot im Busbereich nach den Ferien leicht anpassen muss.“

„Wir bedauern es sehr, dass diese Maßnahmen nun notwendig sind“, sagt Rolf Erfurt, Vorstand Betrieb der BVG. „Ich bitte alle Fahrgäste um Verständnis. Die wichtigste Botschaft aber lautet: In allen Phasen der Corona-Pandemie, auch in angespannten Situationen wie jetzt, sind unsere BVGer*innen für sie im Einsatz und halten unsere Stadt verlässlich mobil. Und da Planbarkeit und ein stabiles Angebot für unsere Fahrgäste besonders wichtig sind, haben wir uns für diese notwendige Anpassung entschieden.“

Im Januar fielen fast fünf Prozent der Fahrten bei der BVG aus

Die BVG hatte bereits in anderen Phasen der Pandemie ihr Angebot eingeschränkt. Größere Streichungen hatte es zuletzt Anfang dieses Jahres gegeben. Weil sich die Omikron-Variante ausbreitete, wurden 4,8 Prozent der Verkehrsleistung gestrichen. Außer 22 Buslinien waren damals auch die Straßenbahn und die U-Bahn betroffen.

Allerdings fanden solche Maßnahmen zum Teil zu einer Zeit statt, in der das Fahrgastaufkommen wegen Corona stark zurückgegangen war. Inzwischen ist es allerdings wieder deutlich gestiegen, heißt es – auf durchschnittlich 95 Prozent der Nachfrage vor Beginn der Corona-Pandemie.

Der Berliner Fahrgastverband IGEB will mit einer Erklärung auf die Ankündigung der BVG reagieren. Dem Vernehmen nach wird er den Senats auffordern, „Pop-up-Busspuren“ einzurichten, um den Busverkehr zu beschleunigen und dadurch effizienter zu gestalten. Wenn die Linien schneller abgefahren werden können, werden weniger Busse und weniger Fahrer benötigt.

Fahrgastverband fordert Pop-up-Busspuren

Normalerweise dürfen Busspuren nur dann eingerichtet werden, wenn strenge Voraussetzungen erfüllt sind. Wie berichtet hat die grün geleitete Senatsverwaltung für Mobilität die Vorgabe, ab wann eine Busspur geschaffen werden darf, verschärft. Reichte es früher in der Regel aus, wenn eine Straße tagsüber pro Richtung und Stunde von sechs Bussen befahren wurde, müssten es laut Fahrplan im Normalfall inzwischen mindestens jeweils neun Fahrten sein.

Ebenfalls am Donnerstag gab der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) Kürzungen im planmäßigen Angebot des Regionalzugverkehrs bekannt. Sie sollen voraussichtlich am 21. August in Kraft treten. „Um einen stabilen Zugverkehr in der Region zu gewährleisten, fährt DB Regio Nordost einen eingeschränkten Fahrplan mit etwa 97,5 Prozent des regulären Angebots“, hieß es in einer Mitteilung des VBB. Grund sei auch hier ein „erhöhter Krankenstand“, der coronabedingt sei.

„Das derzeit akute Thema ist leider nicht ohne weiteres trivial lösbar“, sagte Verbundsprecher Joachim Radünz. „Es stehen – das ist nicht anders als im Gesundheitswesen oder anderen Dienstleistungen – keine entsprechenden Resilienzen und Reserven zur Verfügung, einen derart hohen Krankenstand über Wochen hinweg zu kompensieren.“

DB muss bundesweit Regio-Fahrten streichen

Auf der Linie RB13 zwischen Berlin-Jungfernheide und Wustermark fallen alle Zugfahrten aus, so der VBB am Donnerstag. Dort hatte es schon in den vergangenen Tagen oft Einschränkungen gegeben. Fahrgäste müssen auf die Züge der Regionalexpresslinie RE4 ausweichen. Auf der Linie RB23 zwischen Potsdam und Michendorf fahren ebenfalls keine Züge. Alternativen sind die Buslinien X43 und 643. Zwischen Berlin und Angermünde fallen vier Zugfahrten aus, ebenfalls voraussichtlich ab dem 21. August.

Bereits in den vergangenen Wochen hatte es immer wieder kurzfristige, nicht angemeldete Zugausfälle wegen Personalmangels gegeben. Nach Informationen der Berliner Zeitung hat DB Regio bundesweit mehr als vier Prozent der mit den Bundesländern vereinbarten Leistungen nicht erbracht.